Mit einem neuen Konzept will die Bundesregierung künftig Frauen und Kinder besser schützen, die in Flüchtlingsunterkünften leben. Das Konzept, das Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorstellte, besteht aus drei Säulen. In den Unterkünften soll es Spiel- und Schutzräume für Kinder sowie abgetrennte Sanitärbereiche für Frauen und Männer geben. Damit sexuelle Übergriffe künftig schneller erkannt werden können, sollen Mitarbeiter geschult werden. Darüber hinaus sollen sogenannte Folteropferzentren mit vier Millionen Euro unterstützt werden, die traumatisierte Frauen und Kinder behandeln.

Damit die Unterkünfte umgebaut werden können, werde die Regierung den Kommunen bis zu 200 Millionen Euro in Form von KfW-Krediten zahlen, sagte Schwesig. Derzeit gebe es große Unterschiede zwischen einzelnen Flüchtlingsheimen, sagte Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider. "Es darf aber aus Sicht von Unicef nicht vom Zufall abhängen, ob Flüchtlingskinder in Deutschland gut geschützt, gut versorgt und gut betreut werden."

Die Bundesregierung will ihr Konzept gemeinsam mit Unicef umsetzen, hieß es. Dabei soll vor allem die Erfahrung der Organisation genutzt werden, die diese bisher in Flüchtlingsunterkünften gesammelt habe. Mit ihrer Hilfe sollen dann Mitarbeiter deutscher Unterkünfte geschult werden, um zu erkennen, wann Frauen und Kinder von Gewalt bedroht sind.

Darüber wie viele Frauen und Kinder bisher in den Unterkünften angegriffen wurden, gebe es keine Zahlen, sagte Schwesig. Zwar seien mehrere Fälle bekannt, eine systematische Erfassung gebe es aber nicht, da viele Opfer niemandem von den Übergriffen erzählen würden.

In Deutschland leben derzeit mehr als 300.000 Flüchtlingskinder. Das entspricht etwa einem Drittel der Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind. Dieser Anteil werde künftig weiter steigern, sagte Schneider. Denn viele Frauen und Kinder würden derzeit über die sogenannte Balkanroute flüchten.