Bayern will seine Grenzen angesichts der Flüchtlingskrise wieder selbst kontrollieren. Es gebe einige Grenzübergänge, die die Bundespolizei mangels Personals nicht kontrollieren könne, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Welt am Sonntag. "Hier würden wir gern selbst aktiv werden und die Grenzen kontrollieren."

Bayern habe der Bundespolizei angeboten, sie bei den Grenzkontrollen zu unterstützen, sagte Herrmann. Der Bund habe dies jedoch abgelehnt. Für diese rein politische Entscheidung habe er kein Verständnis, sagte Herrmann. Ihm zufolge könnte Bayern mit einer einfachen Zustimmung des Bundesinnenministeriums jederzeit die Grenzen selbst kontrollieren.

Bayern konzentriere sich daher auf die Schleierfahndung, sagte der bayerische Innenminister. "Das tun wir, indem wir teilweise sogar wenige Meter hinter der Grenze damit beginnen."

Da die Kontrollen des Bundes an der deutsch-österreichischen Grenze nicht lückenlos seien, steige angesichts der organisierten Kriminalität und der Bedrohung durch den internationalen Terrorismus das Sicherheitsrisiko. Dass es fünf Wochen nach den Anschlägen von Paris am 13. November keine verlässlichen Kontrollen gebe, sei ein Armutszeugnis, kritisierte der CSU-Politiker. Seine Kritik richtete er auch an die anderen EU-Staaten, die ihre Grenzkontrollen vernachlässigen würden. Ziel müsse es sein, dass 100 Prozent aller Personen erfasst würden. Wer das nicht gewährleisten könne, sollte aus dem Schengen-Raum ausscheiden.

Herrmann erklärte außerdem, dass der Zuzug der Flüchtlinge im neuen Jahr deutlich sinken müsse: "Es kommen noch immer bis zu 4.000 Flüchtlinge pro Tag über die bayerische Grenze. Diese Zahl darf man nicht verniedlichen. Wir müssen erreichen, dass der Zustrom auf durchschnittlich 1.000 Flüchtlinge pro Tag reduziert wird", sagte er. "Gut 350.000 Flüchtlinge könnten wir 2016 aufnehmen und integrieren. Aber nicht erneut deutlich mehr als eine Million."