Den Innenministern der Länder gehen die geplanten Änderungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nicht schnell genug. Zurzeit würden 1.600 Anträge pro Tag bearbeitet, was nicht mal die Hälfte der Zahl der Neuankömmlinge sei, hieß es auf der Herbsttagung der Ressortchefs in Koblenz. Zudem dauere es oft acht Monate, bis das Asylverfahren beginne – es gebe Bundesländer, in denen die Neuankömmlinge erst im Februar Termine für ihre Registrierung bekämen. Die Teilnehmer befürchteten, dass es am Ende des Jahres einen Stau von einer Million Anträgen geben werde. Der neue Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise müsse noch seine Rolle finden, hieß es. Weise leitet die Behörde seit September neben seinem Job als Chef der Bundesagentur für Arbeit.

"Wir fordern den Bund eindringlich auf, für eine Beschleunigung der Asylverfahren zu sorgen", sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD), zum Abschluss der Konferenz. Weise habe den Ländern auf wichtige Fragen keine Antwort gegeben, sagte Lewentz. Ähnlich äußerte sich Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Der nordrhein-westfälische Ressortchef Ralf Jäger (SPD) sagte, von Weise seien Antworten erwartet worden, was Deutschland in der Krise leisten könne. Sein Vortrag sei "weitgehend enttäuschend, in manchen Teilen sogar erschreckend" gewesen. 

Die Minister forderten, im Bamf müsse in zwei Schichten gearbeitet werden. Wenn Weise dies mit der Personalvertretung regele, könne dies zusätzlich Entlastung bringen, sagte Lewentz. Caffier führte an, auch in den Innenministerien und in den Kommunen werde am Wochenende gearbeitet, um Flüchtlinge unterzubringen. Es sei enttäuschend, wenn Kanzlerin Angela Merkel erwarte, "dass wir in der Lage sein müssen zu improvisieren, um die Situation zu meistern, aber man noch nicht mal Gespräche führen kann, ob man einen Zwei-Schicht-Betrieb im Bundesamt durchführen kann".

Jäger sagte, es sei Aufgabe des Bundes, für ein geordnetes und schnelles Verfahren zu sorgen. Er forderte den Bund auf, eine erneute Aufstockung des Personals zu prüfen. Das Bamf habe 3.300 Stellen, etwa 4.000 sollen 2016 dazukommen. "Das kann nur ein erster Schritt sein", sagte Jäger der Nachrichtenagentur dpa. "Wir haben auch eine Verfünffachung der Asylanträge." Der Bund müsse aus allen Behörden Personal zusammenziehen. Eine Million Flüchtlinge kommen in diesem Jahr nach Deutschland. Bisher sei von maximal 250.000 Asylbescheiden die Rede, sagte Jäger. Das Bundesamt für Migration müsse handeln. "Im Januar endet ja der Flüchtlingsstrom nicht."

Neue Unruhe hatte der Plan des Bamf verursacht, bei syrischen Flüchtlingen vom schriftlichen Asylverfahren zur Einzelfallprüfung zurückzukehren. Dabei wird jeder Asylbewerber einzeln interviewt – mit Dolmetscher. Anschließend können Bewerber, die volles Asyl erhalten, ihre Familie nachholen. Im Falle einer Ablehnung bleibt immer noch die Chance auf subsidiären Schutz als Kriegsflüchtling. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Rückkehr zur Einzelfallprüfung angekündigt, die Landesinnenminister stimmten dem am Donnerstag zu. Weise hatte laut Teilnehmern in der Runde gesagt, dass die Wiedereinführung der Einzelfallprüfung für syrische Flüchtlinge nicht dazu führen solle, dass die Verfahren wesentlich länger dauerten. Wie das umgesetzt werden soll, erläuterte Weise nicht.