Die deutschen Parteien haben 2015 erneut weniger Großspenden aus der Wirtschaft erhalten. Die Summe der sofort meldepflichtigen Unternehmensspenden von über 50.000 Euro lag bei insgesamt 1,12 Millionen Euro. Das geht aus der Aufstellung der Bundestagsverwaltung hervor, über die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Berliner Zeitung berichtet haben. Zählt man demnach Großspenden von Unternehmen und Privatpersonen zusammen, haben die Parteien rund 1,6 Millionen Euro erhalten. Nach Angaben der Berliner Zeitung sei das etwas mehr als im Vorjahr.

Genaueren Aufschluss über Zuwendungen von Firmen und Privatleuten und damit über das gesamte Spendenaufkommen eines Jahres geben aber erst die Rechenschaftsberichte der Parteien. Sie müssen für 2015 noch erstellt werden. Sofort veröffentlicht werden nur Großspenden von mehr als 50.000 Euro.

Die meisten Großspenden der Wirtschaft gingen wie in den Vorjahren an die CDU: Die Partei von Kanzlerin Angela Merkel erhielt insgesamt 600.000 Euro. Auf Platz zwei folgt die nicht mehr im Bundestag vertretene FDP mit 550.000 Euro. Die SPD bekam insgesamt 220.000 Euro, die Grünen 110.000 Euro, die Linke und die AfD erhielten keine Großspenden.

Etwas überraschend wirkt die größte Einzelspende eines Privatmannes: Ein Oberhausener Mann spendete 252.400 Euro an die marxistische MLPD.

Im vergangenen Jahr erhielten die Parteien noch 1,52 Millionen Euro aus der Wirtschaft, im Wahljahr 2013 beliefen sich die Großspenden auf 3,5 Millionen Euro. 2012 waren es 1,46 Millionen Euro.

Nach Angaben der Zeitungen tauchen langjährige Großspender wie BMW oder andere Unternehmen nicht mehr in der Spenderliste auf. Sie würden statt auf direkte Spenden nun auf sogenannte Projektkooperationen setzen, eine Art Parteien-Sponsoring: "Wir setzen jetzt auf Projektkooperationen. Das macht für uns mehr Sinn", sagte ein BMW-Konzernsprecher der Berliner Zeitung. So würden etwa Veranstaltungen finanziert, wie etwa die Spargelfahrt des Seeheimer Kreises der SPD. Oder Autos auf Veranstaltungen präsentiert. Solche Sponsoring-Aktivitäten müssen in den Spendenberichten des Bundestags aber nicht erwähnt werden. 

Zudem machen Spenden von Unternehmen laut FAZ heute nur noch einen geringen Anteil des Parteienbudgets aus. Am höchsten sei der Anteil bei der CSU mit 13 Prozent (sechs Millionen Euro) und der FDP mit elf Prozent (vier Millionen Euro). Die CDU finanziere sich zu sieben Prozent (10,7 Millionen Euro) durch solche Spenden, bei SPD, Grünen und Linken seien es weniger als zwei Prozent. Dafür hätten sich die Parteien zur Finanzierung mehr staatliche Mittel gesichert: Für 2015 ist laut FAZ die Obergrenze der staatlichen Mittel auf knapp 157 Millionen Euro gestiegen. Insgesamt stünden den deutschen Parteien fast eine halbe Milliarde Euro an Mitteln zur Verfügung.