Sigmar Gabriel ist mit 74,3 Prozent als SPD-Parteivorsitzender wiedergewählt worden. Bei dem Bundesparteitag in Berlin stimmten laut dem Sender Phoenix 456 Delegierte für ihn, 139 gegen ihn, 19 Stimmberechtigte enthielten sich. Es ist das schlechteste Ergebnis, das Gabriel je als Parteivorsitzender erzielte. 2013 nach der verlorenen Bundestagswahl erhielt er noch 83,6 Prozent Zustimmung.

Gabriel nahm die Wahl an, räumte aber ein, dass es Parteimitglieder gibt, die seinen Kurs nicht links genug finden. Es sei aber nun mit Dreiviertelmehrheit entschieden worden, wo es langgehe. "Und so machen wir es jetzt auch." Er räumte ein, er habe die Partei nicht geschont, etwa mit seinem Eintreten für die Vorratsdatenspeicherung oder für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Aber er sei überzeugt von diesem Kurs.

Vor der Wahl hatte Gabriel seinen Anspruch bekräftigt, 2017 ins Kanzleramt einziehen zu wollen. Er hatte auf ein besseres Ergebnis gehofft, um sich gestärkt auf die Kanzlerkandidatur vorzubereiten. Laut ZDF-Politbarometer käme die SPD allerdings auf lediglich 24 Prozent, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre. Gabriel hatte die Delegierten in seiner Rede aufgerufen, sich von den Umfragen nicht verunsichern zu lassen. 2017 werde es um die Frage gehen, wer die richtigen Antworten für die Zukunft des Landes habe. Zudem seien die Mehrheiten im Land in Bewegung. "Nichts steht fest und unverändert", sagte Gabriel.

Scharfe Kritik an Gabriel kam von den Jungsozialisten und Linken. Die Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann warf der Partei und ihrem Chef vor, keine glaubwürdige Politik zu machen. Die SPD müsse Worten Taten folgen lassen. Gabriel wies das mit scharfen Worten zurück.

Technische Probleme verzögern die Wahl

Gabriel steht seit 2009 an der Spitze der Partei. Damals hatte er noch 94,2 Prozent der Stimmen bekommen. Seitdem hatten sich die Resultate kontinuierlich verschlechtert. Auf Bundesebene verharrt die SPD in Umfragen seit Monaten bei Werten um die 25 Prozent.

Wegen technischer Probleme hatte sich die Wahl um gut eineinhalb Stunden verzögert. Die SPD wollte erstmals auf Bundesebene ein elektronisches Abstimmverfahren mit Tablets und automatischer Auszählung anwenden. Doch die Technik funktionierte nicht, die Abstimmung fand schließlich mittels klassischer Wahlzettel statt.

Barley mit 93 Prozent zur Generalsekretärin gewählt

Die Bundestagsabgeordnete Katarina Barley wurde als neue Generalsekretärin gewählt. Sie bekam 93 Prozent der Stimmen. Sie folgt auf Yasmin Fahimi, die nicht wieder antrat. Barley sitzt erst seit 2013 im Bundestag und war bislang Justiziarin der SPD-Fraktion.

Sie wolle dazu beitragen, die SPD wieder attraktiver und moderner zu machen, kündigte die frühere Richterin in ihrer Rede an. Sie wolle für die SPD vor allem junge Menschen und solche gewinnen, die derzeit nicht mehr zur Wahl gehen. "Wenn wir für unsere Werte eintreten, werden wir zu neuer Stärke finden", sprach sie den Delegierten Mut zu.