Der eine hat gegen das allgemeine Schuldverdrängen in der Nachkriegszeit "angetrommelt" und damit die erstarrte Gesellschaft provoziert. Der andere den festgefahrenen Ost-West-Konflikt durch "kluge Politik" aufgeweicht und der dritte "Deutschland geführt – im besten Sinne", in Zeiten des Terrorismus und auch im Zweifel gegen die eigene Partei.
Mit Günter Grass, Egon Bahr und Helmut Schmidt sind in diesem Jahr drei große Sozialdemokraten gestorben. Die Delegierten in Berlin gedenken ihrer an diesem Donnerstag zum Auftakt des Bundesparteitags. Die Erinnerungsrede hält Altkanzler Gerhard Schröder – er, der seiner Partei so lange so fern war. Die Delegierten danken ihm mit warmem Applaus.
Schröder wählt seine Worte geschickt, seine Rede ist auch eine Botschaft der Selbstvergewisserung. Andere Spitzengenossen stimmen mit ein: Wer, wenn nicht Sozialdemokraten, hätte die Welt in schwierigen Zeiten schon lange verantwortlich und gut regiert, ruft später auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Delegierten zu.
Das Selbstlob der führenden Genossen auf dem Berliner Parteitag erinnert bisweilen an eine ziemlich kitschige Songzeile der deutschen Band Silbermond, deren Adressat die SPD offenbar gerne wäre: "Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint." Die Sozialdemokraten wollen die Partei sein, die der Gesellschaft nicht nur Orientierung, sondern moralisch korrekte Orientierung gibt. Schafft sie es auch?
Mehrheit unterstützt Steinmeiers Außenpolitik
Den ersten Tag des Delegiertentreffens dominieren die Themen Außen- und Flüchtlingspolitik. Steinmeier lobt sich in seiner Rede selbst für seine diplomatischen Bemühungen an den Krisenherden der Welt. So habe er libysche Oppositionelle bei einem Besuch in Berlin auf einen Spreedampfer eingesperrt und drei Stunden herumgeschippert, damit sie ihre Sprachlosigkeit überwinden. Erfolgreich, versteht sich.
Doch der Applaus bleibt verhalten, als er auf den Syrien-Einsatz der Bundeswehr zu sprechen kommt, für den just an diesem Donnerstag die ersten Soldaten der deutschen Luftwaffe verlegt wurden. 28 SPD-Bundestagsabgeordnete haben im Bundestag mit Nein gestimmt – sie zweifeln daran, ob Waffengewalt gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" Frieden bringt. Steinmeier spricht den Gegnern Achtung zu, erinnert aber an die vom IS getöteten Kinder und zum "Lustobjekt" der Islamisten versklavten Frauen. Manches könne man nicht ausschließlich friedlich lösen.
Die Sozialdemokraten folgen Steinmeier, wenn auch manche zähneknirschend. Sein außenpolitischer Kurs wird mit großer Mehrheit beschlossen.
Der eine hat gegen das allgemeine Schuldverdrängen in der Nachkriegszeit "angetrommelt" und damit die erstarrte Gesellschaft provoziert. Der andere den festgefahrenen Ost-West-Konflikt durch "kluge Politik" aufgeweicht und der dritte "Deutschland geführt – im besten Sinne", in Zeiten des Terrorismus und auch im Zweifel gegen die eigene Partei.
Mit Günter Grass, Egon Bahr und Helmut Schmidt sind in diesem Jahr drei große Sozialdemokraten gestorben. Die Delegierten in Berlin gedenken ihrer an diesem Donnerstag zum Auftakt des Bundesparteitags. Die Erinnerungsrede hält Altkanzler Gerhard Schröder – er, der seiner Partei so lange so fern war. Die Delegierten danken ihm mit warmem Applaus.