Eigentlich sollte sie Flüchtlinge retten und Schlepper bekämpfen: Am 20. November war die deutsche Fregatte Augsburg zur EU-Marinemission "Operation Sophia" ausgelaufen. Vierzehn Tage später wurden die Befehle geändert. Die Augsburg begleitet nun den französischen Flugzeugträger Charles de Gaulle beim Einsatz gegen den "Islamischen Staat". So will es der Beschluss des Bundestags vom vergangenen Freitag. Der Aufenthalt im zentralen Mittelmeer ist gestrichen, für die Fregatte geht es jetzt in den Persischen Golf.

Was hierzulande als Verteidigungsministerin Ursula von der Leyens erster "Kriegseinsatz" gehandelt wird, bedeutet für die 220 Soldatinnen und Soldaten an Bord, dass ihr Arbeitsalltag wieder etwas ruhiger und routinierter wird. Schließlich wäre die Flüchtlingsrettung die Ausnahme von der Regel, für die Kriegsschiffe eigentlich gedacht sind. Die Augsburg ist für die U-Boot-Jagd gebaut worden; das 1989 in Dienst gestellte Schiff sollte ursprünglich die Seewege der Nato in Nordatlantik und Nordsee gegen die Sowjetmarine sichern. An die massenweise Seenotrettung von Flüchtlingen dachte damals niemand.

Der Dienst an Bord der Augsburg kehrt damit zu einem wohlgeübten Muster zurück. Geleitschutz für ein "Hochwertziel" – die Charles de Gaulle ist der einzige Flugzeugträger der "Grande Nation". Baukosten von rund drei Milliarden Euro, 40.000 Tonnen Wasserverdrängung, 2.000 Mann Besatzung und 26 Kampfflugzeuge sind in militärischer Logik weitaus wertvoller als die 4.000 Tonnen große Augsburg, die die Bundesrepublik einmal für etwas über 300 Millionen D-Mark erworben hatte. Die deutsche Beteiligung an Frankreichs Krieg gegen den "IS" mag nur ein symbolisch-politischer Akt sein, aber der Auftrag der Augsburg ist letzten Endes die Lebensversicherung für den Flugzeugträger – gebraucht wird sie nicht wirklich, aber am Ende geht jede Marine lieber auf Nummer Sicher. "Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass der Charles des Gaulle nichts zustoßen wird," sagt der Kommandant der Augsburg, Fregattenkapitän Jörg Mascow.

Den Geleitschutz übernimmt das deutsche Schiff allerdings nicht alleine: Auch andere europäische Partner stellen Kriegsschiffe für die französische Trägergruppe. Die Belgier schicken ebenso eine Fregatte, die Leopold I.; die Briten den Zerstörer HMS Defender, 2013 in Dienst gestellt, doppelt so groß wie die Augsburg und auf Luftabwehr spezialisiert. Die Versicherungspolice für die Charles de Gaulle ist damit umfangreich, denn sie bringt auch eigene, französische, Einheiten mit: eine weitere Fregatte und einen Zerstörer, ein U-Boot sowie das Versorgungsschiff Marne.


Versicherungspolice für ein "Hochwertziel"

Flugzeuge und U-Boote besitzt der IS nicht. Für die Schiffe des multinationalen Marineverbandes gibt es keine direkte Bedrohung. Die Situation der Piloten der deutschen Aufklärungsflugzeuge, die ab Januar über Syrien fliegen, wird riskanter sein, denn womöglich verfügen die Dschihadisten über Flugabwehrraketen.

Einzig in der Straße von Aden, wo sich die Trägergruppe gerade befindet, wird den Seeleuten etwas mulmig zumute sein: Dort griffen al-Kaida-Kämpfer vor 15 Jahren mit einem sprengstoffbeladenen Boot den amerikanischen Zerstörer USS Cole an; 17 Seeleute starben, das Schiff wurde schwer beschädigt. Im Persischen Golf kann die Augsburg mit gewisser Wahrscheinlichkeit iranischen U-Booten russischer Produktion begegnen. Eine Situation wie im Kalten Krieg, aber genau die Lage, für die die Soldaten schon immer geübt haben.

Mehr Sorgen machen sich die Daheimgebliebenen. Gesund und munter heimzukehren, wünschen Freunde und Familie der "Augsburg-Fahrer" in den sozialen Medien: "Hallo Jungs! Die Oma denkt an Euch und betet für Euch! Kommt gut wieder nach Hause! Ihr seid die Besten!" In dringenden Fällen können Angehörige jederzeit über eine deutsche Telefonnummer direkt im Funkraum der Augsburg anrufen.

Die Augsburg im Hafen von Dschibouti 2013 © Bundeswehr/Christopher Jacobs

Für die Besatzungsmitglieder bedeuten die bevorstehenden vier Monate Seefahrt Dienst rund um die Uhr. Die meisten Seeleute folgen dabei einem Rhythmus von drei "Wachen". Vier Stunden Brückendienst für Ausgucks, Wach- und Navigationsoffiziere oder die Schichten in der Operationszentrale, im Funkraum und im Maschinenraum des Schiffes; dann acht Stunden Zeit für den alltäglichen Dienst und anschließend wieder Wache. Abends und nachts Gelegenheit etwa zum Lesen, Sport, Spielen und natürlich fürs Schlafen. Und nicht zu vergessen den Kontakt in die Heimat: Eine Handvoll Satellitentelefone ist für den privaten Gebrauch an Bord, ebenso steht ein Teil der Bandbreite der militärischen Satellitenverbindung der Fregatte im Normalfall für private E-Mails zur Verfügung.

Die Augsburg ist jetzt seit ihrem Auslaufen 24 Stunden am Tag in Betrieb, Hafenliegezeiten ausgeschlossen. Das werden aber nicht viele sein, da der Versorger Marne Treibstoff und Nahrungsmittel für alle Schiffe der Trägergruppe an Bord hat. Die "Augsburger" werden bis zu ihrer voraussichtlichen Rückkehr nach Deutschland rund 120 Tage im Dauereinsatz gewesen sein.

Dieses Video zeigt die Arbeit des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle Ende November im Mittelmeer.