Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der Partei, ist einem drohenden Ausschluss aus ihrer Fraktion im Europaparlament zuvorgekommen. Sie wechselt nach eigenen Angaben in die EFDD-Fraktion (Europa der Freiheit und der direkten Demokratie) des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage. Er ist Chef der britischen Unabhängigkeitspartei Ukip, die für einen Austritt aus der Europäischen Union wirbt. Bisher war von Storch Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR), der auch die britischen Konservativen angehören.

Die EKR-Spitze hatte von Storch und den anderen Europaabgeordneten der AfD, Marcus Pretzell, Anfang März zum Austritt aufgefordert. Hintergrund waren Äußerungen der beiden Politiker zum möglichen Einsatz von Schusswaffen gegen Flüchtlinge. Für den Fall, dass beide die Gruppierung bis Ende März nicht freiwillig verließen, sollte am 12. April über einen Zwangsausschluss abgestimmt werden. Anfang des Jahres hatte von Storch erklärt, dass sie es für gerechtfertigt halte, Migranten mit Waffengewalt an einem illegalen Grenzübertritt zu hindern. Pretzell hatte sich zuvor ähnlich geäußert. Von Storch bezeichnete ihre Äußerungen später als Fehler.

Pretzell will angesichts des drohenden Ausschlusses noch keine Konsequenzen ziehen. "Ich lege die Entscheidung über mein zukünftiges Agieren im EU-Parlament in die Hände des nächsten AfD-Bundesparteitages", sagte er der Bild-Zeitung. Fraktionsmitgliedschaften seien schließlich Koalitionsfragen, die alle Mitglieder betreffen. Pretzell kündigte an, am Montag "mit meinen Kollegen von der EKR-Fraktion über die neue Situation sprechen" zu wollen.

Von Storch dagegen teilte mit: "Gerne gehe ich diesen Schritt, der ein Signal ist, insbesondere so kurz vor dem britischen Referendum über den Verbleib in der EU." Die AfD und die Fraktion von Farage verbinde die Forderung, über wichtige Fragen Volksabstimmungen durchzuführen: "Wie den Briten sollte auch den Deutschen die Möglichkeit gegeben werden, über ihren Verbleib in der EU und Eurozone in einem Referendum abzustimmen. Die Mehrheit der Bürger möge entscheiden. Das ist Demokratie", so von Storch. Auch bei der "Ablehnung von Einschränkungen des Freihandels durch Wirtschaftssanktionen gegen Russland und dem Widerstand gegen eine neue Blockpolitik durch (das transatlantische Freihandelsabkommen) TTIP" gebe es Übereinstimmungen mit der neuen Fraktion.

Zuletzt war von Storch mit der Pfändung ihres Kontos in die Schlagzeilen gekommen, weil sie ihre öffentlich-rechtlichen Rundfunkbeiträge bei der GEZ nicht gezahlt hatte. Die AfD tritt für deren Abschaffung ein, doch der Boykott von Storchs stieß in der Parteiführung auf Ablehnung. Der AfD-Bundessprecher und baden-württembergische AfD-Chef Jörg Meuthen ging auf Distanz zu seiner Stellvertreterin: "Niemand von uns kommt um Rechtstreue herum", sagte Meuthen den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. "Wenn es eine Zahlungspflicht gibt, dann muss man zahlen. Das gilt für Frau von Storch wie für jeden anderen Bürger auch."