Im Konflikt mit der Bundesspitze hat der Landesparteitag der saarländischen AfD den umstrittenen Vorsitzenden Josef Dörr und dessen Stellvertreter Lutz Hecker unterstützt. Die Delegierten sprachen den beiden auf dem Parteitag in Völklingen mit großer Mehrheit das Vertrauen aus. Gegen Dörr votierten acht von 63 Delegierten. Einer enthielt sich der Stimme. Hecker erhielt fünf Gegenstimmen.

Die Bundesführung um Parteichefin Frauke Petry hatte im März die Auflösung des Landesverbandes wegen angeblicher Verbindungen von Dörr und Hecker zu rechtsradikalen Gruppen beschlossen. Weil Dörr unter den Delegierten großen Rückhalt genießt, hatte die Berliner Parteizentrale auf den Versuch verzichtet, nur den Landesvorstand abzusetzen und statt dessen den gesamten Landesverband für aufgelöst erklärt. Das Bundesschiedsgericht der AfD hatte die Auflösung vor einer Woche aber vorerst gestoppt. Nun warten die Konfliktgegner auf eine Hauptverhandlung.

Dörr und Hecker wird unter anderem vorgeworfen, im Herbst in engem Kontakt mit dem früheren rheinland-pfälzischen NPD-Landesvize Sascha Wagner und Ulrike Reinhardt, Aktivistin der Pfälzer Spaziergänger, gestanden zu haben. Die Gruppe protestiert gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und wird nach Ansicht von Verfassungsschützern ebenfalls von der NPD dominiert.

Der Parteitag in Völklingen billigte einen Beschluss des Landesvorstands aus dem November, nach dem die AfD nicht mit den Gruppierungen Saarländer gegen Salafisten und Freie Bürger Union zusammenarbeite. Beide Organisationen gelten als rechtsradikal. Es werde auch keine Zusammenarbeit mit der NPD geben, sagte Dörr.

Zuvor hatte das für das Saarland zuständige AfD-Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang an die Delegierten appelliert, "Mut zur Wahrheit" zu haben. Die Funktionäre der AfD hätten dabei eine besondere Verantwortung, den Wählern zu zeigen, dass die Partei vertrauenswürdig ist. Sein Grußwort musste Driesang nach einer Abstimmung der Delegierten vorzeitig abbrechen. In der Aussprache bezichtigte er Dörr und Hecker erneut, bei Gesprächen über die Kontakte zu den Rechtsradikalen gelogen zu haben. Driesang hatte die Untersuchung der Vorgänge im Saarland geleitet und die notwendigen Belege für den Auflösungsbeschluss zusammengetragen.

Der Parteitag forderte Driesang in einem mit breiter Mehrheit angenommenen Antrag zum Rücktritt auf. Dieser habe durch sein Vorgehen gegen die Landesspitze das Verhältnis zwischen Berlin und Saarbrücken nachhaltig gestört und einen "Scherbenhaufen" hinterlassen. Der Landesverband sei jederzeit zu einer "gedeihlichen Zusammenarbeit" mit der Bundesspitze bereit, sagte Dörr.