Die neue Rolle ist ihm sichtlich unvertraut: Am Mittwoch sitzt Bruno Kahl neben Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) vor einer Runde von Journalisten, das Kinn auf die zusammengelegten Hände gestützt, der Blick starr geradeaus. Graue Haare, grauer Anzug, grau-schwarze Krawatte: Alles an Kahl wirkt, als wolle er lieber nicht auffallen.

Doch anders als bisher ist er nun nicht mehr der Mann im Hintergrund, sondern derjenige, auf den die geballte Aufmerksamkeit im Raum gerichtet ist.

Am Vorabend war bekannt geworden, dass der bisherige Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, überraschend zum 1. Juli in den Ruhestand versetzt wird. Kahl, 53 Jahre alt und bisher Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium, soll seinen Job übernehmen.

Der Witwer und Vater von zwei Töchtern gehört seit Langem zum politischen Personal im Umfeld der Bundesregierung und ist, obwohl CDU-Mitglied, selbst vielen Unionsabgeordneten ein Unbekannter. Denn Kahl hat bisher eher im Verborgenen gearbeitet.

1995 begann der Jurist, der in Bonn und Lausanne studiert hat und Teile seiner Referendariatszeit in Sydney verbrachte, seine Karriere als Referent im Bundeskanzleramt. Später übernahm er die Leitung des Büros von Wolfgang Schäuble, der zu diesem Zeitpunkt noch Fraktionsvorsitzender war.

"Was viele nervös macht? Dass er zuhört"

Ihm folgte Kahl 2005 als Pressesprecher und Leiter des Ministerbüros ins Bundesinnenministerium (BMI). 2006 avancierte er dort zum Chef des Leitungsstabs. Als Schäuble 2009 Bundesfinanzminister wurde, nahm er seinen Getreuen wieder mit. Kahl gehörte auch in den folgenden Jahren zu den engsten Beratern des Bundesfinanzministers. "Sie arbeiten für ihn. Sie beschützen ihn. Sie stehen für ihn ein", schrieb DIE ZEIT 2010 über das Verhältnis zwischen Schäuble und jener Gruppe von Vertrauten.

2011 übernahm Kahl im Bundesfinanzministerium die Leitung der Abteilung VIII, zuständig für Privatisierungen, Beteiligungen und Bundesimmobilien. In dieser Funktion hat er den Umzug des BND in die Hauptstadt mitorganisiert.

Was Kahl inhaltlich zu seinem neuen Job als BND-Chef befähigt? Darüber herrscht am Tag nach der Bekanntgabe seiner Berufung nicht nur bei Grünen, sondern auch bei manchen Unionsabgeordneten Rätselraten. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer, hat allerdings keine Bedenken. Aufgrund seiner Tätigkeit als Leiter des Leitungsstabs im BMI sei Kahl mit allen sicherheitspolitischen Themen vertraut, sagt er. Kahl sei "ein sicherheitspolitischer Generalist".

Diejenigen, die ihn als Mitarbeiter in der Fraktion erlebt haben, beschreiben ihn als fachkundigen, fleißigen und gut vernetzten Arbeiter, einen Staatsdiener im besten Sinne des Wortes. Allerdings habe er immer einen sehr zurückhaltenden Eindruck gemacht, heißt es. Doch auch wenn Kahl weniger offensiv wirke als etwa Noch-Amtsinhaber Schindler, könne man daraus nicht auf mangelnde Durchsetzungsfähigkeit schließen. "Was viele nervös macht, ist, dass er zuhört", sagt jemand, der ihn lange kennt.