Die Bundesregierung hat einen neuen Präsidenten für den Bundesnachrichtendienst benannt. Der Verwaltungsjurist Bruno Kahl löst zum 1. Juli Gerhard Schindler an der Spitze des Auslandsgeheimdienstes ab. Eine Begründung für den Wechsel nannte die Bundesregierung nicht. Der 53 Jahre alte Kahl arbeitet seit Jahren als Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium und gilt als enger Vertrauter von Ressortchef Wolfgang Schäuble (CDU).

Schindler wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Der 63-jährige wäre eigentlich erst in knapp zwei Jahren regulär in Pension gegangen. Er leitete den Dienst vier Jahre lang. Über Schindlers Ablösung hatten zuerst NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichtet.

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) dankte Schindler in einer Mitteilung für seine "langjährige, verdienstvolle Arbeit". In die Zukunft gerichtet sagte Altmaier: "Der Bundesnachrichtendienst steht in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen, die alle Bereiche seiner Arbeit betreffen."

Die Gründe für Schindlers Ablösung dürften vielfältig sein. Schindler war im vergangenen Jahr unter Druck geraten, nachdem bekannt geworden war, dass der BND in seiner Abhörstation in Bad Aibling Suchbegriffe des US-Geheimdienstes NSA eingesetzt hatte, mit denen auch europäische Verbündete ausspioniert worden waren. Zudem hatte der NSA-Untersuchungsausschuss gezeigt, dass einige Referate im Dienst ein Eigenleben geführt haben. Dabei gab es auch Mängel bei der Kontrolle und Aufsicht. Hinzu kamen Pannen beim Neubau der BND-Zentrale in Berlin.