Die Bundesregierung erwägt eine Gesetzesänderung für den Einsatz der Bundeswehr im Inland, unter anderem bei Terrorgefahr oder Bedrohung der Sicherheit. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf einen Entwurf für ein neues Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr.

Darin heißt es demnach, bislang könne die Bundesregierung die Bundeswehr im Innern etwa im "Fall des inneren Notstandes" einsetzen. Charakter und Dynamik gegenwärtiger und zukünftiger sicherheitspolitischer Bedrohungen machten jedoch "Weiterentwicklungen erforderlich, um einen wirkungsvollen Beitrag der Bundeswehr zur Gefahrenabwehr an der Grenze von innerer und äußerer Sicherheit auf einer klaren Grundlage zu ermöglichen". Zudem sei in dem Entwurf von flexibleren Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Ausland die Rede. Im Juni soll das Kabinett darüber beraten.

Unionspolitiker dringen schon seit Längerem auf eine Grundgesetzänderung, um die Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr im Inland auszuweiten. Neben klaren Kompetenzen bei der Terrorabwehr wird unter anderem auch gefordert, die Bundeswehr in der Flüchtlingshilfe einsetzen zu können.

In der SPD treffen die Forderungen auf Skepsis. "Die Durchsetzung der staatlichen Gewalt ist und bleibt Aufgabe der Polizei", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Statt der ohnehin bereits überlasteten Bundeswehr zusätzliche Aufgaben aufzuhalsen, sei es sinnvoller, die Polizei entsprechend aufzustocken.


Laut Grundgesetz ist es die alleinige Aufgabe der Polizei, für Sicherheit im Inland zu sorgen. Die Bundeswehr darf als Konsequenz aus den Erfahrungen der Zeit im Nationalsozialismus im Inland nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Dazu zählen Naturkatastrophen, besonders schwere Unglücksfälle, die Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder die Amtshilfe für eine andere Behörde wie derzeit in der Flüchtlingskrise. Seit vielen Jahren gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob diese Regelungen noch zeitgemäß sind.