Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat die Bedeutung einer deutschen Leitkultur hervorgehoben. "Je selbstsicherer, je selbstbewusster wir in unserer Freiheit, unserer Kultur, unserer Herkunft sind, umso eher sind wir imstande, tolerant zu sein und Integration gelingen zu lassen", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, zu der unter anderem die Hannoversche Allgemeine gehört.

Toleranz gegenüber Fremdem entstehe, wenn man sich seiner eigenen Position sicher sei. Ein fest verankerter Christ beispielsweise werde weniger Angst vor "Überfremdung" durch Muslime haben, "als jemand der keine ethische Verankerung hat".

Alle Menschen, die in Deutschland leben wollen, sollten "die deutsche Kultur kennen und unsere Grundwerte akzeptieren". Unter anderem erwarte er von jedem Respekt, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft, sagte er. Außerdem sollte jeder "wissen, was in Auschwitz passiert ist, und jeder sollte das Existenzrecht Israels akzeptieren. Jeder sollte unsere Kultur, unsere großen Dichter, unsere Architektur kennen."

Flüchtlinge - "Wir möchten Deutschland etwas zurückgeben" Der syrische Flüchtling Basel Esa ist immer noch entsetzt über die Ereignisse in der Silvesternacht. Gemeinsam mit anderen Syrern will er deshalb ein Zeichen gegen Sexismus setzen. Kriminellen Asylbewerbern würde er jede Unterstützung entziehen.

Der Innenminister wird heute zusammen mit dem Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, die Zahlen der Asylbewerber im ersten Quartal des Jahres vorstellen. Im März hatte Deutschland nur noch etwa 20.000 Neuankömmlinge registriert, nachdem es in den Vormonaten noch ein Vielfaches davon gewesen war. De Maizière hatte deshalb angekündigt, die Grenze zu Österreich ab dem 12. Mai nicht mehr kontrollieren zu wollen, wenn die Zahlen so niedrig bleiben. Nach den Grenzschließungen der Länder auf dem Balkan und der EU-Türkei-Einigung ist die sogenannte Balkanroute für Flüchtlinge inzwischen dicht.

Die Ankündigung des Innenministers hatte die bayerische Landesregierung empört. Ministerpräsident Horst Seehofer hatte de Maizière "selbstherrlichen Regierungsstil" vorgeworfen, weil Bayern als hauptbetroffenes Land nicht informiert worden sei. Inzwischen sieht der CSU-Chef den Streit aber als beigelegt an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe beim Treffen mit ihm und dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel klargemacht, dass eine solche Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit Bayern getroffen werde, berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf CSU-Kreise. Deshalb sei dieses Thema erst einmal "abgeräumt".

Seehofer selbst sagte dem Blatt, es habe sich bei dem Gespräch am Mittwochabend schnell herausgestellt, dass Merkel in diesem Fall die Position der CSU teile. Diese sei: "Ein Wegfall der Grenzkontrollen zu Österreich geht nur, wenn der Schutz der EU-Außengrenzen wieder wirksam erfolgt, und die Zahlen der Zuwanderer so begrenzt bleiben."