In Deutschland sollen laut einem Bericht im vergangenen Jahr 5.835 minderjährige Flüchtlinge verschwunden sein. Die Zahl gehe aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Demnach seien von 8.006 als vermisst gemeldeten minderjährigen Flüchtlingen bisher 2.171 wieder aufgetaucht. "Die vermissten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kommen überwiegend aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Marokko und Algerien", heißt es in dem Papier des Bundesinnenministeriums. Unter den verschwundenen minderjährigen Flüchtlingen seien 555 Kinder. Als Kind gilt in Deutschland, wer jünger als 14 Jahre ist. Gründe für das Verschwinden nannte das Bundesinnenministerium nicht.

Erst Anfang Februar hatte das Bundesfamilienministerium mitgeteilt, es gebe keine belastbaren Hinweise, dass in Deutschland Tausende allein reisende Flüchtlingskinder verschwunden seien. Damals wurde in diesem Zusammenhang auf "Vielfachzählungen" oder andere Registrierungsfehler verwiesen, andere spekulierten, dass die Geflüchteten untergetaucht seien. Die Flüchtlinge können zum Beispiel inzwischen wieder in ihr Heimatland zurück- oder in ein anderes Land weitergereist sein. Zudem hat das Registrierungsprogramm, das die deutschen Behörden verwenden, Schwächen.

Viele junge Flüchtlinge haben sich alleine auf den Weg nach Deutschland gemacht. Wer sie als vermisst gemeldet hat, ist unklar. Bereits mehrfach war berichtet worden, das geflüchtete Minderjährige zu Sexarbeit oder anderen Tätigkeiten gezwungen wurden.

Laut Europol gelten in Europa mindestens 10.000 Flüchtlinge als verschwunden. "Nicht alle werden kriminell ausgenutzt, manche könnten inzwischen in der Obhut von Familienmitgliedern sein", sagte Stabschef Brian Donald dazu. Europol habe Beweise, dass manche Kinder und Jugendliche auf der Flucht sexuell missbraucht worden seien. Es habe sich eine gesamte kriminelle Infrastruktur gebildet, die vom Migrantenandrang profitiert.

Die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg sprach nun von einer alarmierend hohen Zahl an verschwundenen Kindern und Jugendlichen. Es bereite ihr Sorgen, dass die Bundesregierung "die Gefahren durch Zwangsprostitution und Ausbeutung nicht ernsthaft in Betracht zieht", sagte Amtsberg.