Mit 38 Jahren geht für die meisten Menschen der berufliche Aufstieg gerade erst so richtig los. Bei Kristina Schröder ist es anders, sie hat bereits eine beachtliche Karriere hinter sich gebracht: Seit 14 Jahren gehört die CDU-Politikerin dem Bundestag an, vier Jahre lang, von Ende 2009 bis Herbst 2013, war sie Bundesfamilienministerin. Nun sieht sie die Zeit für einen Wechsel gekommen.

Sie habe sich entschlossen bei der kommenden Bundestagswahl nicht mehr zu kandidieren, teilte Schröder am Donnerstag per Pressemitteilung mit. Seit 2002 vertritt sie als direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag den Wahlkreis Wiesbaden. 

"Ich habe für mich die Tätigkeit als Abgeordnete immer als ein Mandat auf Zeit betrachtet und wollte nie mein Leben lang Abgeordnete bleiben", heißt es in der Pressemitteilung. Am Ende der Legislaturperiode werde sie 40 sein, sagte Schröder ZEIT ONLINE. Wenn man beruflich noch einmal neu starten wolle, dann müsse man sich in diesem Alter schon fragen: "Wann wenn nicht jetzt?"

Als Schröder vor der Bundestagswahl 2013 angekündigt hatte, sie stehe künftig nicht mehr als Ministerin zur Verfügung, hatte sie dies auch damit begründet, dass sie mehr Zeit für ihre Tochter haben wolle. Schröder war die erste Ministerin gewesen, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekommen hatte. Im Juni 2014 wurde dann eine zweite Tochter geboren. Diesmal habe ihre Entscheidung aber "keine familiären Gründe", sagte Schröder ZEIT ONLINE. Als Abgeordnete habe man mehr Freiheiten und stehe auch nicht so stark im medialen Fokus wie als Ministerin. Insofern habe sie nicht das Gefühl gehabt, dass sie diesen Beruf nicht mit der Familie vereinbaren könne.

Schröder ist promovierte Soziologin und Politikwissenschaftlerin. In ihrem Beruf gearbeitet hat sie allerdings nie, weil sie sofort nach Studienabschluss in den Bundestag gewählt worden war. Wo es sie beruflich nun hinzieht, lässt sie erst einmal offen – ob es konkrete Angebote gibt auch. "Ich habe ja noch eineinhalb Jahre Zeit", sagt sie. Es gebe aber bereits "interessante Pfade".

Mehr Personenschutz als als Ministerin

Als Abgeordnete hatte Schröder sich zunächst auf innenpolitischem Gebiet profiliert. So fiel sie zum Beispiel in dem 2006 eingesetzten BND-Untersuchungsausschuss, dem sie als Obfrau ihrer Fraktion angehörte, als hartnäckige Fragenstellerin auf. Als Berichterstatterin im Innenausschuss war sie zuständig für die Themen Islam, Integration und Extremismus. In dieser Funktion setzte sie sich beispielsweise für islamischen Religionsunterricht an den Schulen ein, aber auch für Einbürgerungstests. Damals habe sie festgestellt, dass man auch als einfache Abgeordnete viele Möglichkeiten habe, Debatten anzuregen, sagt Schröder heute. Dass ihre Tätigkeit öffentlich wahrgenommen wurde, merkte sie zum Beispiel daran, dass sie damals mehr Personenschutz brauchte als später als Ministerin.

In diesem Amt hatte sie einen schweren Stand. Das lag auch an ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen (CDU), die mit Elterngeld und Kita-Ausbau bereits wichtige familienpolitische Reformen in Angriff genommen hatte. Schröder blieb eigentlich nur, diese Arbeit fortzuführen. Geld, um eigene Schwerpunkte zu setzen bekam sie kaum. Auch das Verhältnis zu von der Leyen blieb angespannt. So lieferten sich die beiden Frauen einen heftigen Schlagabtausch über verbindliche Frauenquoten in der Wirtschaft. Von der Leyen befürwortete diese, Schröder setzte eher auf Freiwilligkeit.