Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat vor einem "Kuschelkurs" seiner Partei mit der CDU gewarnt und will Rot-Rot-Grün als Koalitionsoption für 2017 offenhalten. "Ich bin der Meinung, dass wir Schwarz-Grün 2017 nicht ausschließen sollen. Aber wir sollten auch keinen Kuschelkurs mit der Union fahren", sagte Hofreiter der Rheinischen Post vor dem kleinen Parteitag der Grünen in Berlin.

Die CDU sei die Partei, "die weitermachen will mit der Kohle, die TTIP auf Teufel komm raus will, und die gegen die grassierende Ungerechtigkeit in unserem Land am liebsten gar nichts tun will", sagte Hofreiter. "Ich will uns da als klare Alternative positionieren", erklärte er. "Auch Rot-Rot-Grün muss selbstverständlich eine Option für 2017 bleiben", betonte Hofreiter, einer der Vertreter der Parteilinken. SPD und Linke sollten daher "aufhören sich zu bekriegen".

Grüne als Gegenkraft positionieren

Für Grünen-Politiker Jürgen Trittin ist es das erklärte Ziel, bei der Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres drittstärkste Kraft vor Linken, AfD und FDP zu werden. Die Wahrscheinlichkeit einer neuen großen Koalition sei hoch, sagte Trittin. In diesem Fall müssten die Grünen eine Gegenkraft darstellen, die es "ernst meint mit den Grundrechten", und die sich nicht von der AfD treiben lasse. Im jüngsten Deutschlandtrend der ARD liegen die Grünen bei 13 Prozent, die AfD hat einen Punkt mehr.

Trotz des Erfolgs seiner Partei bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und trotz guter Umfragewerte sieht Trittin keinen Grund zu Euphorie. "In anderen Ländern haben wir gekämpft, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen", sagte der ehemalige Fraktionschef. "Wir haben es mit einer insgesamt schwierigen Lage zu tun." Zwar gebe es Regionen, in denen die Grünen Volkspartei seien. "Aber im Bund sind wir davon ein gutes Stück entfernt. Man muss mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben."