Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat die Islamfeindlichkeit der rechtspopulistischen AfD mit dem Antisemitismus der Nationalsozialisten verglichen. Zum ersten Mal seit Hitler-Deutschland gebe es eine Partei in Deutschland, "die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht", sagte Mazyek dem Sender NDR Info. Um diesem Kurs der rechtspopulistischen Partei entgegenzusteuern, forderte er mehr Aufklärung über die Ziele der AfD. Dieser gehe es darum, eine Republik ohne freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schaffen. Dazu werde der Islam missbraucht. Mazyek bezeichnete die AfD als "nicht grundgesetzkonform".

Am Wochenende hatten führende AfD-Politiker den Islam als unvereinbar mit einer freiheitlichen Grundordnung bezeichnet. Die stellvertretenden Parteichefs Alexander Gauland und Beatrix von Storch kündigten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) an, eine deutlich islamkritische Politik zu einem Schwerpunkt ihres Parteiprogramms machen zu wollen. "Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist", hatte von Storch gesagt. Gauland warnte vor einer "Islamisierung Deutschlands". Viele Muslime gehörten zu Deutschland, "aber der Islam gehört nicht zu Deutschland".

Der ehemalige AfD-Chef Bernd Lucke kritisierte die Aussagen der heutigen Parteiführung: "Mit populistischen Forderungen wie Minarettverboten oder islamischen Gottesdiensten nur in deutscher Sprache fördern wir nur die Radikalisierung von Muslimen", sagte Lucke, der heute der konservativ-liberalen Partei Alfa vorsteht.

Nach Ansicht der SPD-Beauftragten für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Kerstin Griese, schürt die AfD "auf hochgefährliche Weise haltlose Vorurteile". Selbstverständlich gebe es "einen Islam, der sich ans Grundgesetz hält". Praktiziert werde dieser von "weit mehr als 90 Prozent der hier lebenden Muslime". Die geforderten Einschränkungen der Religionspraxis hält Griese für verfassungswidrig, denn "die Glaubensfreiheit ist Bestandteil des Grundgesetzes". Deshalb ist das, was sie jetzt fordert, nicht ein Islamdiskurs, sondern das ist grundgesetzwidrig." Nicht der Islam sei nicht grundgesetzkonform, sondern "die AfD ist nicht grundgesetzkonform". Die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, warf der AfD vor, mit Islamhass das gesellschaftliche Klima zu vergiften und "Rassismus gegen Muslime" zu schüren. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte, nachdem die AfD zunächst gegen die EU und dann gegen Flüchtlinge zu Felde gezogen sei, nehme sie nun den Islam ins Visier. "Damit ist sie keine Alternative sondern eine Schande für Deutschland."

Die Bundesregierung will sich von der AfD keine Debatte über den Islam aufdrängen lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe mehrfach gesagt, "dass es offenkundig ist, dass der Islam inzwischen unzweifelhaft zu Deutschland gehört", sagte ein Regierungssprecher. Das Grundgesetz garantiere die Glaubensfreiheit und die ungestörte Religionsausübung. "Das gilt", fügte er hinzu.

Auf ihrem Parteitag in zwei Wochen in Stuttgart will die AfD ihr erstes Parteiprogramm beschließen. Dabei soll es auch darum gehen, Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Der schon vor mehreren Wochen veröffentlichte  Programmentwurf des Bundesverbandes enthält (S. 35) die Forderung nach einem Verbot von Minaretten, von Muezzins und der Vollverschleierung. Den Bau und den Betrieb von Moscheen sowie Beschneidungen wolle man dagegen nicht verbieten, sagte von Storch