Die Türkei steht wegen ihres Umgangs mit der Pressefreiheit seit Längerem in der Kritik. Nach dem wiederholten Einreiseverbot für deutsche Reporter hat nun EU-Parlamentspräsident Martin Schulz vor schwarzen Listen gewarnt. "Listen mit Journalistennamen haben in Demokratien nichts zu suchen", sagte der SPD-Politiker der Bild.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete und Außenexperte Karl-Georg Wellmann forderte laut der Zeitung eine zügige Aufklärung. Sollte es solche Listen geben, müssten diese "schnellstens öffentlich gemacht werden".

Dem Blatt zufolge war ein Bild-Reporter am Samstag nach der Landung in Istanbul ohne Begründung am Weiterflug gehindert und ausgewiesen worden. Sein Name stehe auf einer Liste, habe es als Begründung geheißen. Erst wenige Tage zuvor war ein ARD-Korrespondent an der Einreise in die Türkei gehindert worden.

Das Auswärtige Amt erklärte laut Bild, von schwarzen Listen der Türkei keine Kenntnis zu haben. "Die Bundesregierung erwartet, dass deutsche Journalisten in der Türkei ihrer Aufgabe ungehindert nachgehen können", sagte ein Sprecher dem Blatt.

Aktuelle Stunde der Grünen

Die Grünen haben unterdessen eine aktuelle Stunde zum "Umgang mit der Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei" beantragt. Der Fraktionsvorstand habe eine entsprechende Entscheidung getroffen, berichtete die Zeitung. Die aktuelle Stunde solle am Mittwoch oder Donnerstag stattfinden.

Kritik am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan führe zu Repressionen, ausländische Journalisten würden abgewiesen, Zeitungen unter staatliche Aufsicht gestellt. "Die Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind ein hohes Gut und unverzichtbare Voraussetzung für jede funktionierende freiheitliche Demokratie", sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann. 

Kritiker werfen Erdoğan vor, das Recht auf freie Meinungsäußerung immer weiter einzuschränken. Seit seinem Amtsantritt als Präsident im Sommer 2014 sind in der Türkei rund 2.000 Strafverfahren wegen mutmaßlicher Beleidigung des Staatsoberhauptes eingeleitet worden. Aber auch im Ausland versucht Ankara, kritische Äußerungen gegen Erdoğan zu unterbinden. In Deutschland geht der Präsident mit juristischen Mitteln gegen das "Schmähgedicht" des ZDF-Moderators Jan Böhmermann vor.