Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen rüstet die Bundeswehr für Angriffe aus dem Internet. Die CDU-Politikerin kündigte an, innerhalb der nächsten fünf Jahre eine neue Abteilung "Cyber- und Informationsraum" mit 13.500 Soldaten und zivilen Mitarbeitern aufzustellen. Sie soll Ende des Jahres einsatzfähig sein und bis 2021 ausgebaut werden. (Abschlussbericht des Aufbaustabes der Abteilung als PDF)

Die Abteilung sei eine Reaktion auf die zunehmenden Attacken auf die Netze des Bundes. Derzeit seien es etwa 6.500 pro Tag. Die Truppe müsse in der Lage sein, sich selber zu schützen und das Land zu verteidigen. Wie genau die Zahl zusammenkommt und welche Netze genau betroffen sind, sagte die Verteidigungsministerin nicht. Ein Sprecher verweist auf Nachfrage auf den aktuellen Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dort heißt es, die Netze der Bundesverwaltung seien "kontinuierlich Cyber-Angriffen ausgesetzt", darunter befinden sich sowohl "ungezielte Massenangriffe" (etwa durch Spam- oder Phishing-Mails) als auch "gezielte Angriffskampagnen."

Die neue Einheit soll sowohl Informationsnetzwerke als auch Waffensysteme der Bundeswehr schützen, die digital gesteuert werden (Strategiepapier bei netzpolitik.org). Andere Länder wie die USA, Israel oder auch Estland sind in diesem Bereich schon viel weiter. Von der Leyen räumte den Rückstand ein und sagte, die Bundeswehr müsse nun schnell aufholen. "Entscheidend ist jetzt vor allem, Strecke zu machen", sagte sie.

Die Bundeswehr übt seit einigen Jahren auch Angriffe auf Netze. Eine kleine, geheim agierende Einheit in Rheinbach bei Bonn mit derzeit rund 60 Soldaten ist dafür zuständig. Ein offensiver Einsatz dieser Einheit – etwa das Eindringen in das Datennetz eines Gegners – müsste aber vom Bundestag genehmigt werden.

Die 13.500 Stellen für die neue Abteilung werden nun nicht komplett neu geschaffen, sondern entstehen aus den bereits bestehenden IT-Kräften, die derzeit noch über die militärischen und zivilen Teile der ganzen Bundeswehr verstreut sind. Um zusätzlich Personal zu rekrutieren, will von der Leyen bis 2018 einen Studiengang für 70 Studenten an der Bundeswehr-Universität in München einrichten. Zudem will sie mit einer Kampagne für das Projekt werben. Künftig will die Bundeswehr jährlich 800 Zivilisten und 700 Soldaten für den IT-Bereich anwerben.

Der neue Organisationsbereich der Bundeswehr soll einen eigenen Inspekteur bekommen. Die Bundeswehr mit ihren rund 177.000 Soldaten und 87.000 zivilen Mitarbeitern wird künftig in insgesamt sechs Organisationsbereiche mit eigenen militärischen Chefs, sogenannten Inspekteuren, aufgeteilt sein: Neben Heer, Marine und Luftwaffe gibt es jetzt schon den Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis, die sich um Logistik kümmert. Jetzt kommt die IT-Truppe hinzu.