Die Opposition im Bundestag will einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Abgasaffäre um Volkswagen initiieren. "Es gibt Überlegungen für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses, um die Kumpanei zwischen Bundesregierung und Automobilindustrie aufzuklären", sagte der Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Andreas Kappler, in Berlin. Nach Informationen des Spiegel wollen Linkspartei und Grüne die Einsetzung des Gremiums noch im April beantragen.

Sowohl innerhalb der Fraktion der Linken als auch in der der Grünen hieß es, die Einsetzung eines solchen Kontrollgremiums sei gut vorstellbar. "Die Gespräche hierzu laufen noch", sagte Kappler.

Bereits zuvor hatten die Grünen der Regierung vorgeworfen, sie verschleppe die Veröffentlichung von Nachmessungen der Abgaswerte verschiedener Automodelle durch das Kraftfahrt-Bundesamt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach Bekanntwerden der Manipulationen bei VW die Nachmessungen angeordnet. Nur mit den Stimmen von Linkspartei und Grünen gemeinsam kann die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses erzwungen werden.

VW hat eingeräumt, bei weltweit rund elf Millionen Diesel-Pkw eine Software zur Manipulation der Abgaswerte eingebaut zu haben. Gegen den Konzern aus Wolfsburg läuft bereits eine Klage des US-Justizministeriums im Volumen von 46 Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen Umweltgesetze. Auch Investoren verlangen Schadenersatz. Sie werfen VW vor, zu spät über die Manipulationen informiert zu haben. 

Rückrufaktion bereits vier Wochen in Verzug

Allein in Deutschland sind 2,4 Millionen VW-Fahrzeuge von der Manipulation betroffen. Das Unternehmen will sie bis zum Ende dieses Jahres nach und nach in die Werkstätten rufen, um den Fehler zu beheben. Derzeit stockt der Rückruf aber: Weil das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bis heute die von VW beantragten Schritte zur Behebung der Manipulation nicht freigegeben hat, kann VW derzeit noch keine der betroffenen rund 160.000 Passat in die Werkstätten holen. Die ersten Dieselvarianten der Limousine hätten schon vor vier Wochen korrigiert werden sollen. Bislang sind nur wenige Tausend Exemplare des VW-Pick-ups Amarok umgerüstet.

Zu den Hintergründen der Verzögerungen schweigen sich VW und KBA aus. Dem Vernehmen nach gibt es Probleme mit einem womöglich nach dem Update höheren Kraftstoffverbrauch. Auch in den USA, wo der Abgasbetrug aufflog, hat sich VW noch nicht mit den Umweltbehörden darauf geeinigt, was mit den Hunderttausenden Dieselautos geschehen soll, um die Betrugssoftware zu entfernen und dennoch die strengen Abgasgrenzwerte zu erfüllen.

Mitten in der Aufarbeitung der Affäre muss Volkswagen in den USA auch noch einen weiteren Rückruf in die Wege leiten: Bei 91.000 US-Passat mit TDI-Dieselmotoren der Baujahre 2012 bis 2014 könne es aufgrund von mangelhaften Dichtungsdrähten zu elektrischen Kurzschlüssen und Überhitzung kommen, heißt es in den Unterlagen, die die nordamerikanische VW-Tochter bereits am 24. März bei der US-Verkehrsaufsicht NHTSA einreichte. Der Rückruf wurde erst am Freitag bekannt. Durch den Defekt bestehe eine erhöhte Feuergefahr. Erst Anfang der Woche musste VW sämtliche bisher in den USA verkauften Elektro-Golf wegen des Risikos von Motorausfällen in die Werkstätten rufen.