Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) weist die Forderung zurück, die Entsendung von Imamen aus der Türkei zu stoppen. "Die Ditib-Imame sind verfassungstreu, predigen einen gemäßigten Islam", sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek der Neuen Osnabrücker Zeitung. Sie trügen so wesentlich zum "Bollwerk gegen Fanatiker und Radikale" bei.

Die Welt am Sonntag hatte unter Berufung auf die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) berichtet, in deutschen Moscheen predigten derzeit rund 970 Imame, die von der türkischen Religionsbehörde entsandt worden sind. Die Ditib betreibt in Deutschland zahlreiche Moscheen.

Deutsche Politiker hatten die Praxis der Entsendung von Imamen stark kritisiert. Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte der Welt am Sonntag, die von der türkischen Behörde angeleitete Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion sei "nichts anderes als der verlängerte Arm des türkischen Staates". 

Mazyek kritisiert CSU-Vorstöße

Dagegen hatte das Bundesinnenministerium Ditib gelobt und betont, der Verband arbeite "kontinuierlich und konstruktiv in der Deutschen Islamkonferenz mit". CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wiederum sagte, die Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland, etwa aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien, müsse beendet werden.

Der Zentralratsvorsitzende Mazyek nannte Forderungen nach Absetzung der Imame aus der Türkei "verfassungswidrig" und "von Doppelmoral durchzogen". Würde man diese Imame jetzt alternativlos absetzen, stärke das die Extremisten, sagte Mazyek. 

Derartige Forderungen diskreditieren die muslimischen Gemeinden, sagte der Zentralratsvorsitzende. "Sie stellen eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Religion dar." Es gebe Hunderte von Gemeinden anderer Religionsgemeinschaften in Deutschland, die selbstverständlich ausländische Priester und Rabbiner hätten. 

Mazyek versicherte, der Zentralrat der Muslime in Deutschland setze sich für die notwendige Optimierung der Imame ein, was Sprache und Ausbildung angehe. Das gehe aber nur mit den Verbänden zusammen und nicht "par ordre du mufti aus Bayern".