CDU-Chefin Angela Merkel setzt im Umgang mit der AfD vor allem auf eine erfolgreiche Politik. Eine Kurskorrektur werde es aber trotz der Erfolge der Rechtspopulisten nicht geben: "Es gibt keinerlei neue Strategie", sagte die Kanzlerin beim Besuch einer Berliner Schule. Die Aufgabe, die aber noch entschiedener umgesetzt werden müsse, sei, "aus uns selbst heraus darzustellen, was wir wollen, welche Überzeugungen uns tragen". Sie setze auf die Kraft der Überzeugen: "Ich finde, dass wir genug gute Argumente haben, uns mit anderen Meinungen, auch denen der AfD, auseinanderzusetzen", sagte Merkel. "Und zwar ohne jeden Schaum vorm Mund und ohne Pauschalurteile."

Die Bild-Zeitung hatte berichtet, Merkel habe in der Präsidiumssitzung am Montag erstmals eine Kurskorrektur im Umgang mit der Alternative für Deutschland angedeutet. Die Kanzlerin habe gesagt, die Union müsse verstärkt auch auf konservative Wähler rechts von der politischen Mitte zugehen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung. Zugleich habe die Bundeskanzlerin auch eine neue Strategie im Umgang mit der AfD angeregt. Es sei nicht sinnvoll, immer nur auf die Partei und ihre Wähler einzuprügeln. Das schaffe nur Solidarisierungseffekte.

Wie ZEIT ONLINE aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sind diese Zitate so allerdings nicht gefallen. Merkel habe lediglich darauf hingewiesen, dass man die Sorgen der Wähler ernst nehmen müsse. In der Sitzung sei zudem betont worden, dass man die AfD-Wähler nur durch gute Politik und die Lösung der Probleme zurückgewinnen könne. Grundsätzlich wolle man sich in der politischen Auseinandersetzung um eine "Sprache der Sachlichkeit und des politischen Respekts" bemühen.

Merkel soll in der Sitzung außerdem gesagt haben, dass ein Unterschied zwischen Union und AfD darin bestehe, dass die AfD ein ausgrenzendes, die Union ein einladendes Wesen habe. Die Union müsse Gegensätze überwinden und Brücken für abgewanderte Wähler bauen. Dies kann auch als Signal an die Schwesterpartei CSU gewertet werden, die in den vergangenen Monaten immer wieder versucht hatte, die AfD mit schlagzeilenträchtigen Forderungen auf Abstand zu halten.

Bereits vor zwei Wochen hatte die CDU-Spitze nach einer Präsidiumssitzung einen inhaltlichen Rechtsruck als Konsequenz aus dem Erstarken der AfD und den Niederlagen bei den vergangenen Landtagswahlen abgelehnt.

Auch CDU-Bundesvize Julia Klöckner sagte zu den Parteitagsbeschlüssen der AfD, dass es nicht helfe, die Partei zu einem Märtyrer zu machen. Man müsse sich mit ernsthaften Vorschlägen auseinandersetzen. "Wir sollten nicht dazu übergehen, die AfD zu ignorieren oder zu beschimpfen", sagte Klöckner der Rheinischen Post. "Wir müssen heikle Themen offen erklären und diskutieren, um so AfD-Wähler mit Argumenten zurückzuholen." Klöckner sagte aber, dass sie die AfD nicht als Koalitionspartner für die Union sieht.

CDU-Politiker kritisieren AfD-Parteiprogramm

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte die AfD nach ihrem Parteitag als rückwärtsgewandte und autoritäre Partei kritisiert. Das auf dem AfD-Parteitag Diskutierte sei "nicht konservativ, ist nicht patriotisch, ist nicht freiheitlich, sondern ist vor allem reaktionär und autoritär". Die AfD hatte auf dem Parteitag in Stuttgart am Wochenende ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen. Darin legt die Partei einen scharfen Anti-Islam-Kurs fest. "Die Haltung der AfD ist ausgrenzend", sagte Tauber.

Das Programm der AfD baue auf Ängsten und Vorurteilen auf, sagte der CDU-Generalsekretär außerdem. "Aus unserer Sicht ist die AfD eine Anti-Deutschland-Partei, weil sie die Werte mit Füßen tritt, die unser Land groß und stark und erfolgreich gemacht haben."

CDU-Vize Armin Laschet sagte, die AfD wolle ein anderes Deutschland. Laschet sprach am Montag von "erschreckenden" Beschlüssen im AfD-Grundsatzprogramm. "Das, was die AfD jetzt beschlossen hat, ist ein Angriff auf fast alle Religionen", sagte er. Die Partei wolle den christlichen Religionsunterricht abschaffen, andere Regeln für Juden und Muslime und grenze den Islam aus der Gesellschaft aus. "Das spaltet", sagte Laschet. Außerdem wolle die AfD aus der EU sowie aus dem Euro heraus und positioniere sich gegen die Nato.

Die AfD hatte am Wochenende auf ihrem Parteitag in Stuttgart ihr Grundsatzprogramm verabschiedet. Darin heißt es unter anderem, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Aus dem Ausland finanzierte Moscheen sollen ebenso verboten werden wie Minarette oder Kopftücher an Schulen.