Politiker von CDU und CSU liegen sich wegen des gemeinsamen Kurses in der Flüchtlingspolitik in den Haaren. Die Uneinigkeiten gehen so weit, dass die beiden Parteichefs Angela Merkel und Horst Seehofer sich wiederholt zu Krisengesprächen trafen – bisher ohne Ergebnis. Ende Juni sollen sich Vertreter der beiden Schwesterparteien in Potsdam zum nächsten Krisengipfel treffen.

Bayerns früherer Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber kennt das politische Tagesgeschäft und den Zwist zwischen den beiden Schwesterparteien seit Jahrzehnten. Er sieht das Verhältnis von CDU und CSU inzwischen an einem historischen Tiefpunkt angelangt. Es handele sich um "die größte inhaltliche Auseinandersetzung in der Geschichte der Unionsparteien", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Es gehe jetzt um die Substanz.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht einen "Zustand erreicht, der der Union als Ganzes schadet", wie er der Funke-Mediengruppe erklärte. Davor warnt auch Parteikollege Michael Grosse-Brömer, der als Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion dafür zuständig ist, die Abgeordneten beider Parteien zusammen zu halten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wiederum sieht ein klares Täter-Opfer-Schema. "Wie in der Union miteinander umgegangen wird, ist ziemlich einseitig: Es gibt nichts Vergleichbares aus der CDU gegenüber der CSU, nicht im Ganzen und nicht gegenüber Einzelnen – null", sagte er in einem ZDF-Interview. "Die Formulierung 'Streit zwischen Merkel und Seehofer' muss ich zurückweisen. Es sind Attacken gegen Merkel."

Ein Blick in die Archive zeigt jedoch: Das Verhältnis der beiden Schwesterparteien war in seiner langen Geschichte selten harmonisch. Die Parteioberen beleidigten sich gegenseitig, warfen sich Versagen vor und lösten sogar die Verbindung im Bundestag, wie unsere Kartengeschichte zeigt. Erkennen Sie am Zitat, wer wen wann attackierte?

CDU + CSU = Union?

CDU + CSU = Union?

Das Verhältnis von CDU und CSU soll an einem historischen Tiefpunkt angelangt sein. Wirklich? Es ging schon viel tiefer.

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Die Union

Die Union der Christlichen

1949 konstituierte sich die Unions-Bundestagsfraktion aus CDU und CSU. Die Parteien, die in keiner Konkurrenz zueinander stehen, müssen das Bündnis nach jeder Wahl erneuern – jedes Mal ein Kraftakt, wie die Geschichte zeigt.

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Wer hat's gesagt?

"Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus."

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Mitnichten! Es war Franz Josef Strauß, das Zitat war aber als Angriff gedacht, denn es geht weiter: "Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft."

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Ja. Der Bayer lässt keinen Zweifel daran, was er von Helmut Kohl als Kanzler hält – und wer in seinen Augen der einzige geeignete SPD-Herausforderer wäre.

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Richtig! Die Feindschaft zwischen Kohl und Strauß ist legendär. Nach der verpassten eigenen Kandidatur kann Strauß sich vorstellen, im Kabinett Kohl zu wirken – Der weiß das aber zu verhindern.

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Naheliegend, aber kein Zitat von Stoiber.

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Nein. Seehofer mag Angela Merkel vor sich hergetrieben haben, das Zitat stammt aber nicht von ihm.

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Nein. An Kohl gab es viel Kritik, der Satz aber kommt von einem Erben des bayerischen Ministerpräsidenten.

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Nein. Der Seehofer-Vertraute wirft Merkel eine "geistige Fusion" mit Rot-Grün vor. Und er lässt offen, ob die CSU Merkel bei der nächsten Wahl unterstützen wird.

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