Die Zahl der geduldeten Ausländer in Deutschland hat sich seit Mitte 2013 fast verdoppelt. Wie die Rheinische Post unter Berufung auf Daten des Ausländerzentralregisters berichtet, lebten Ende Januar 159.894 Menschen mit einer Duldung in Deutschland. Bei den meisten handelt es sich um abgelehnte Asylbewerber, die nicht in ihre Heimat abgeschoben werden können, etwa weil dort Krieg herrscht oder ihnen Verfolgung droht. Anders als anerkannten Asylbewerbern ist ihnen jedoch der Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Bildungsangeboten oft verwehrt.

Der Chef des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Frank-Jürgen Weise, fordert nun ein Bleiberecht für langjährig geduldete Ausländer in Deutschland. "Wenn wir sie nicht in ihre Heimatländer zurückführen können, müssen wir ihnen eine andere Perspektive geben. Es geht nicht, dass Geduldete sechs oder zehn Jahre in Deutschland sind, ohne etwas arbeiten oder lernen zu dürfen", sagte Weise dem Blatt.

Der Arbeitsmarktzugang sei zwar erleichtert worden. Wegen ihres unsicheren Aufenthaltsstatus falle es Geduldeten jedoch weiterhin schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. "Deshalb bin ich für eine Stichtagsregelung: Wer vor einem bestimmten Stichtag hier gewesen ist, darf bleiben", sagte Weise.

Solche Stichtagsregelungen hat es in der Vergangenheit schon mehrfach gegeben. Vor allem Unionspolitiker hatten sich jedoch zum Teil dagegengestellt, weil sie fürchteten, dass es einen Anreiz setzen könnte, sich nur lange genug einer Abschiebung zu widersetzen, um in Deutschland bleiben zu können. Tatsächlich aber ist der Duldungsstatus für die meisten Betroffenen zu einer Art faktischem kleinen Asyl geworden, ohne dass sie wie anerkannte Asylbewerber integriert werden und sich integrieren müssen. Das zu ändern, fordern Flüchtlingsorganisationen schon lange.