Die Bundesregierung hat die abfälligen Äußerungen von Alexander Gauland über Fußball-Nationalspieler Jérome Boateng kritisiert. "Dieser Satz, der da gefallen ist, ist ein niederträchtiger und ein trauriger Satz", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert auf die Frage, wie die Bundeskanzlerin die Aussagen bewertet.

Boateng habe es selbst auf den Punkt gebracht mit der Bemerkung, es sei traurig, "dass so etwas heute noch vorkommt". Die Fußballnationalmannschaft habe "wunderbar" reagiert mit einem Video unter dem Titel "Wir sind Vielfalt". Zahlreiche Fans hielten Plakate hoch, auf denen zum Beispiel stand: "Jérôme zieh neben uns ein". Boateng selbst sagte: "Ich bin froh, Deutscher zu sein. Ich bin stolz, sonst wäre ich auch nicht hier in der Mannschaft und heute nicht Kapitän gewesen."


Gauland fühlt sich wegen seiner Äußerungen zu Unrecht an den Pranger gestellt. An seinem Verständnis für Menschen mit fremdenfeindlichen Ressentiments hält der stellvertretende Vorsitzende der AfD aber fest. "Ich bin natürlich kein Rassist", sagt er zu den Vorwürfen. Auf die Frage, ob denn Menschen, die Vorbehalte gegen Nachbarn mit ausländischen Wurzeln haben, Rassisten seien, sagte er: "So weit würde ich nicht gehen." Die Globalisierung und die Wiedervereinigung hätten für viele Menschen große Veränderungen mit sich gebracht. Deshalb reagierten einige jetzt mit einer "geradezu instinktiven Abwehr" auf Fremde in ihrer Umgebung.

Gauland hatte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Nationalspieler gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."