Die Zahl der Asylsuchenden aus Tschetschenien und damit aus der Russischen Föderation hat sich laut Bundesinnenministerium stark erhöht. Im April lag Russland bei den Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern bereits auf dem fünften Platz, wie die Welt berichtet. Nach Angaben des Innenministeriums gaben zwischen Januar und Mitte Mai insgesamt 82,3 Prozent der russischen Erstantragssteller unter ethnischer Zugehörigkeit "tschetschenisch" an. Insgesamt seien das 2.244 Asylbewerber. 

Bereits seit der zweiten Jahreshälfte 2015 ist nach Angaben eines Ministeriumssprechers eine Zunahme von Flüchtlingen aus Russland zu verzeichnen. Die Anerkennungsquote für Asylbewerber aus der Russischen Föderation ist dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zufolge allerdings gering. Die Gesamtschutzquote in den ersten vier Monaten des Jahres liege bei lediglich 5,8 Prozent.

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder (CDU), forderte, die Dublin-Verordnung in diesem Zusammenhang konsequent anzuwenden. Die Vereinbarung sieht vor, dass ein Asylbewerber seinen Asylantrag in dem EU-Land stellen muss, das er als erstes betreten hat. "Asylbewerber aus Tschetschenien reisen meistens über Polen in die EU ein und müssen dorthin zurückgeführt werden", sagte Schröder. Ursachen für die erhöhte Zuwanderung seien der Bundesregierung bislang nicht bekannt. 

Die Lebensverhältnisse in der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus sind laut Berichterstattung nach zwei Bürgerkriegen bedrückend. Neben einer schlechten wirtschaftlichen Situation wirke sich vor allem die Politik des von Moskau installierten Machthabers aus. Ramsan Kadyrow gehe brutal gegen Oppositionelle vor. 

"Das Regime wird mit jedem Monat härter, im vergangenen Jahr hat sich die Lage deutlich verschlechtert", sagte Jekaterina Sokirjanskaja, Projektdirektorin für Europa und Zentralasien der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group, der Welt

Sie habe viele Fälle registriert, in denen Menschen festgenommen und brutal verprügelt wurden, nachdem sie mit Journalisten und Menschenrechtlern gesprochen hätten. "Aktivisten, Menschenrechtler, Universititätsdozenten und Kreative fliehen aus Tschetschenien", sagt Sokirjanskaja.