Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich für den schrittweisen Abbau der wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. "Wir wissen alle aus unserer Erfahrung, dass Isolation auf Dauer gar nichts bringt. Am Ende hilft nur Dialog", sagte Gabriel am Rande des zweiten Russlandtags in Rostock. Zuvor hatte auch Russlands Industrieminister Denis Manturow für eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen geworben.

Gabriel machte deutlich, dass eine Normalisierung nur möglich sei, wenn die Verabredungen von Minsk für den Friedensprozess in der Ukraine auch eingehalten werden. Allerdings sei der Kurs der EU zu sagen, "erst 100 Prozent Minsk und dann gibt es 100 Prozent Aufhebung der Sanktionen", nicht besonders klug.

Nach Gabriels Ansicht könnten etwa bei Übereinkünften über ein Wahlgesetz und den Einsatz von OSZE-Wahlbeobachtern in der Ukraine erste Sanktionen wieder aufgehoben werden. Dauerkonfrontation sei der falsche Weg. "Das heißt aber nicht, dass man billigt, was Russland gemacht hat. Und das heißt nicht, dass wir Abstand davon nehmen, dass der Bürgerkrieg in der Ukraine beendet werden muss."

Russlands Industrieminister Denis Manturow äußerte sich in Rostock ähnlich: "Man sollte die Nachfrage der Wirtschaft im Blick haben." Die Wirtschaft auf beiden Seiten sei daran interessiert, die Beziehungen weiter zu entwickeln, Partnerschaften zu schließen, Handel und Investitionen zu stärken.

Bereits im September vergangenen Jahres hatte Gabriel sich dafür eingesetzt, das Embargo gegen Russland zu lockern. Russland sei ein wichtiger Akteur im Syrien-Krieg, zu dem man sein Verhältnis ändern müsse, sagte er damals.