In Österreich stellten sich zwei Kandidaten für das Bundespräsidentenamt zur Wahl, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Rechtspopulist Norbert Hofer und der Grüne Alexander Van der Bellen. Wer hat welche Anhänger? Und welche Volkspartei hat am meisten an die Rechtspopulisten verloren?

Zwar sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, aber es gibt erste Erkenntnisse über das Wahlverhalten der Bürger. Der ORF hat vom 19. bis zum 22. Mai 1.200 Österreicher am Telefon befragt, wen sie gewählt haben. Die Ergebnisse sind repräsentativ für ganz Österreich.

Sie zeigen, dass Frauen mehrheitlich den grünen Kandidaten wählten, während sich die Männer für Hofer entschieden. Bei den Akademikern zeigt sich eine sehr deutliche Mehrheit für Van der Bellen.

Ein weiteres klares Ergebnis ist, dass viele Österreicher Van der Bellen wählten, um einen Rechtspopulisten im höchsten Amt zu verhindern – auch wenn sie nicht politisch mit dem Linken übereinstimmen. Sie gaben ihre Stimme also aus taktischen Gründen ab, während Hofers Wähler eher aus Überzeugung entschieden.

Interessant ist ein Blick auf die Wählerwanderung. Die Notwendigkeit einer Stichwahl und die Zuspitzung auf das Duell Hofer/Van der Bellen hat vor allem die konservative ÖVP gespalten. Gut die Hälfte der Bürger, die bei den Parlamentswahlen 2013 noch ÖVP wählte, gab ihre Stimme nun dem Rechtspopulisten Hofer.

Nationalratswahlen 2013 → Stichwahl 2016

So änderte sich das Stimmverhalten bei der Stichwahl 2016 im Vergleich zur Nationalratswahl 2013

Deutlich geschlossener zeigten sich die SPÖ-Anhänger: 60 Prozent gaben ihre Stimme Van der Bellen, nur etwa ein Viertel wanderte zu dem Rechtspopulisten ab, 13 Prozent der SPÖ-Anhänger gingen nicht zur Wahl. Nach den Diskussionen über den "Schlingerkurs" der SPÖ in der Flüchtlingskrise und die Orientierungslosigkeit der österreichischen Sozialdemokratie und ihrer Anhänger hatten manche in der Partei Schlimmeres befürchtet.

Während die AfD bei den Landtagswahlen in Deutschland sehr viele Stimmen aus dem Lager der früheren Nichtwähler erhielt, ist in Österreich das Lager der Nichtwähler im Vergleich zu vorherigen Wahlen sogar etwas gewachsen. Bei den Nationalratswahlen 2013 gaben 1,6 Millionen Wähler keine Stimme ab, in der Stichwahl waren es sogar 1,9 Millionen.

Die Desinteressierten oder Verdrossenen ließen sich auch von den Rechtspopulisten kaum motivieren: Gerade einmal 175.000 der früheren Nichtwähler – knapp 10 Prozent – entschieden sich für Hofer, die überwiegende Mehrheit aber blieb erneut der Wahlkabine fern.

Auch der Vergleich mit dem ersten Präsidentschaftswahlgang in Österreich ist interessant: So entschieden sich rund 208.000 Österreicher, die Ende April nicht wählten, nun im zweiten Anlauf für Van der Bellen. Hofer bekam nur 129.000 und damit sechs Prozent der Stimmen aus diesem Lager.

Erster Wahlgang 2016 → Stichwahl 2016

So änderte sich das Stimmverhalten bei der Stichwahl 2016 im Vergleich zum ersten Wahlgang 2016