AfD-Vize Alexander Gauland hat sich erneut zum Thema Fußball geäußert. Die deutsche Fußballnationalmannschaft sei "schon lange nicht mehr deutsch im klassischen Sinne", sagte Gauland dem Spiegel. Profifußball sei "keine Frage der nationalen Identität mehr", sondern eine Geldfrage.

Dass viele Spieler der deutschen Nationalelf einen Migrationshintergrund haben, ist für Gauland kein Beweis dafür, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. "Ich glaube nicht, dass die Nationalmannschaft dafür das passende Symbol ist." Auch das Lebensgefühl der meisten Deutschen sei "nicht so multikulti". Es gebe "noch immer eine starke Verbundenheit zu Land und Leuten und Geschichte und Tradition. Sie fiebern zwar mit dem Fußball mit, aber diese multikulturelle Welt ist den meisten noch immer fremd."

Kritisch sieht Gauland auch die Pilgerreise des türkischstämmigen Nationalspielers Mesut Özil nach Mekka. Die Reise sei "sehr gewöhnungsbedürftig für eine Partei, die den Islam nicht als Teil Deutschlands betrachtet", sagte Gauland dem Spiegel. Bei Fußballspielern akzeptiere er dies, bei Beamten, Lehrern, Politikern und Entscheidungsträgern würde er aber "sehr wohl die Frage stellen: Ist jemand, der nach Mekka geht, in einer deutschen Demokratie richtig aufgehoben?"

Mit seinen Äußerungen folgt Gauland weiter dem AfD-Prinzip provozieren, relativieren, dementieren. Erst vor wenigen Tagen hatte er mit Äußerungen über Nationalspieler Jérôme Boateng für Aufsehen gesorgt. Er wurde von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit den Worten zitiert, die Menschen fänden den Innenverteidiger als Fußballspieler gut. "Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Nach heftigen Reaktionen darauf bestritt Gauland die Aussagen zunächst und sagte der ARD: "Ich kenne mich im Fußball überhaupt nicht aus."

Boateng als Nachbar beliebt

In der Bevölkerung wird Gaulands Einschätzung Boatengs nicht geteilt: Die allermeisten Deutschen hätten den Fußballer einer Umfrage zufolge gerne zum Nachbarn. In einer Emnid-Umfrage für den Focus äußerten sich 82 Prozent der Befragten entsprechend. Bei den AfD-Anhängern lag die Zustimmung gar bei 87 Prozent. 

Boateng bekannte sich in einem Beitrag für die Bild-Zeitung als Fan von als typisch deutsch geltenden Tugenden. "Fleiß und Disziplin, das ist einfach unsere Kultur", schrieb er. Dazu gehöre aber auch "Lockerheit und Weltoffenheit", wie es die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gezeigt habe.

Im Aufgebot der Fußballnationalelf für die Europameisterschaft in Frankreich steht eine Reihe von Spielern mit ausländischen Wurzeln. Boatengs Vater kommt beispielsweise aus Ghana, der Vater von Mittelfeldspieler Sami Khedira aus Tunesien, Stürmer Mario Gómez hat einen spanischen Vater. Die Wurzeln von Verteidiger Shkodran Mustafi sind albanisch, die von Emre Can türkisch. Stürmer Lukas Podolski wurde in Polen geboren, Leroy Sané hat einen Vater aus dem Senegal und die Mutter von Abwehrspieler Antonio Rüdiger kommt aus Sierra Leone.