Der Wehrbeauftragte des Bundestags sieht nach dem Brexit stärkere militärische Anforderungen auf Deutschland zukommen. "Jedenfalls hat Deutschland jetzt noch mehr Verantwortung", sagte Hans-Peter Bartels den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Für EU-Missionen gebe es nach Großbritanniens Ausscheiden einen potenziellen Truppensteller weniger. "In Europa wird es sicherheitspolitisch in Zukunft noch mehr auf Deutschland und Frankreich ankommen", sagte Bartels voraus.

Der SPD-Politiker rechnet nach eigenen Worten mit einem engen Schulterschluss zwischen London und Washington: "Die Briten werden sich militärisch noch stärker an den USA orientieren." Wahrscheinlich werde Großbritannien sicherheitspolitisch in einigen Jahren für Europa ein Partner sein wie die USA.

Der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner teilte Bartels' Einschätzungen im Grundsatz. "Es ist wahrscheinlich, dass von Deutschland bei EU-Missionen mehr Engagement abverlangt wird als bisher", sagte er ebenfalls den Funke-Zeitungen. Die gemeinsamen EU-Auslandseinsätze würden aber erst einmal weiterlaufen: "Ein Rückzug von diesen Missionen wird sicher nicht ruckartig geschehen."