Der Christdemokrat Heiner Geißler hat der CSU mit einem Bruch der Union und einem Antreten der CDU bei Wahlen in Bayern gedroht. "Wenn die CSU so weitermacht, wird irgendwann der Punkt kommen, wo der CDU nichts anderes übrig bleibt", sagte der frühere CDU-Generalsekretär der Passauer Neuen Presse. Hintergrund ist der Richtungsstreit zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer sowie der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel um die Flüchtlingspolitik.

"Der Geist ist aus der Flasche. Die CSU-Führung muss ihn wieder zurückholen, sonst führt das zwischen CDU und CSU zu einer Zerrüttung, die nicht mehr reparierbar sein wird." In einem solchen Fall müssten sich beide Parteien trennen, was nach dem Statut der CDU möglich sei. "Wenn die CDU in Bayern bei Wahlen antritt, ist es mit der Dominanz der CSU im Freistaat vorbei", sagte Geißler.

Dem Focus hatte der 86-Jährige zuvor gesagt: "Die CSU ist leider zum Stichwortgeber für die Rechtspopulisten geworden." Er fügte hinzu: "Die Angriffe auf die Bundesregierung sind schizophren und verrückt." Die CSU sei schließlich Mitglied der Regierung. So etwas hätte es selbst zu Zeiten von Franz Josef Strauß nie gegeben. Die Drohung der CSU, möglicherweise bundesweit allein anzutreten, nannte Geißler absurd. 

Klausur in Potsdam

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte die CSU zuvor ebenfalls kritisiert. "Wie in der Union miteinander umgegangen wird, ist ziemlich einseitig: Es gibt nichts Vergleichbares aus der CDU gegenüber der CSU, nicht im Ganzen und nicht gegenüber Einzelnen – null", sagte der CDU-Politiker in einem ZDF-Interview. "Die Formulierung "Streit zwischen Merkel und Seehofer" muss ich zurückweisen. Es sind Attacken gegen Merkel."

CDU + CSU = Union?

CDU + CSU = Union?

Das Verhältnis von CDU und CSU soll an einem historischen Tiefpunkt angelangt sein. Wirklich? Es ging schon viel tiefer.

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Die Union

Die Union der Christlichen

1949 konstituierte sich die Unions-Bundestagsfraktion aus CDU und CSU. Die Parteien, die in keiner Konkurrenz zueinander stehen, müssen das Bündnis nach jeder Wahl erneuern – jedes Mal ein Kraftakt, wie die Geschichte zeigt.

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Wer hat's gesagt?

"Von Bayern gehen die meisten politischen Dummheiten aus."

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Mitnichten! Es war Franz Josef Strauß, das Zitat war aber als Angriff gedacht, denn es geht weiter: "Aber wenn die Bayern sie längst abgelegt haben, werden sie anderswo noch als der Weisheit letzter Schluss verkauft."

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Ja. Der Bayer lässt keinen Zweifel daran, was er von Helmut Kohl als Kanzler hält – und wer in seinen Augen der einzige geeignete SPD-Herausforderer wäre.

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Richtig! Die Feindschaft zwischen Kohl und Strauß ist legendär. Nach der verpassten eigenen Kandidatur kann Strauß sich vorstellen, im Kabinett Kohl zu wirken – Der weiß das aber zu verhindern.

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Naheliegend, aber kein Zitat von Stoiber.

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Nein. Seehofer mag Angela Merkel vor sich hergetrieben haben, das Zitat stammt aber nicht von ihm.

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Nein. An Kohl gab es viel Kritik, der Satz aber kommt von einem Erben des bayerischen Ministerpräsidenten.

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Nein. Der Seehofer-Vertraute wirft Merkel eine "geistige Fusion" mit Rot-Grün vor. Und er lässt offen, ob die CSU Merkel bei der nächsten Wahl unterstützen wird.

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Die Führungen beider Schwesterparteien wollen am 24. und 25. Juni zusammen tagen, um die seit Monaten andauernde Entfremdung möglichst zu beenden. Als Ort für die Klausur wurde laut der Nachrichtenagentur dpa nach längeren Diskussionen Potsdam festgelegt.