Dass es mit Pegida bald vorbei sei, wurde der Bewegung schon oft prophezeit. Das herbeigewünschte Ende begleitet die Bewegung seit sie vor anderthalb Jahren zum ersten Mal durch die Dresdner Innenstadt marschiert ist. Anlässe für Abgesänge auf die Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes gab es danach immer wieder, etwa Zerwürfnisse in der Führungsriege und die stark schwankende Zahl der Demonstranten, aber ernsthaft vom Aussterben bedroht war die Bewegung nicht – bis jetzt. Nun gibt es Riesenkrach. Pegida zerlegt sich öffentlich.
Die Anführer bekämpfen sich auf Facebook – neben der Straße, dem anderen wichtigen Versammlungsort des
Bündnisses. Seit Tagen fliegen in dem sozialen Netzwerk zornige Posts zwischen
Lutz Bachmann und Tatjana Festerling hin und her. Die beiden bekanntesten Pegida-Aktivisten
überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen und Beschuldigungen. Dabei werden einige Hintergründe
so deutlich wie nie zuvor: Die Nähe, die Lutz Bachmann zur AfD sucht, und die Kontakte,
die Pegida schon lange mit dem neurechten Vordenker Götz Kubitschek unterhält.
Vor allem aber wird sichtbar, wie zerrüttet die Basis ist, wie viel Frust es
unter den Anhängern gibt.
Viele, die monatelang mitmarschiert sind, keilen in den Kommentarspalten gegen die Anführer. "LB entpuppt sich immer mehr als hässliche Fratze – äußerlich und innerlich", schreibt jemand. Ein anderer: "Bachmann beißt doch schon lange alle weg, die neben ihm Platz finden." Er sei ein "Typ mit fettem Selbstbewusstsein", "ein aufgeblasener Fesselballon". Eine Kommentatorin beklagt: "Um das Anliegen geht es Bachmann und Konsorten schon lange nicht mehr… Fällt nicht nur uns auf, sondern auch etlichen anderen, die teils wegbleiben, teils noch kommen, damit überhaupt noch wer auf der Straße ist." Bachmann, der immer wieder Verschwörungstheorien unters Volk gebracht hat, fällt diesen nun selbst zum Opfer. In etlichen Kommentaren wird verbreitet, er sei V-Mann beim Verfassungsschutz.
Mit dem eigenen Erfolg gemütlich gemacht
Auf eines konnte Pegida lange vertrauen: auf die Kraft der eigenen
Gemeinschaft. Sie ist für viele eine ideologische Heimat geworden, eine Familie. Pegida
funktioniert als Bastion, die sich gegen vieles verschworen hat. Diese
Gemeinsamkeit schützt Vorstand und seine Anhänger gegen alle Angriffe von außen. Man hat es sich
mit dem eigenen Erfolg gemütlich gemacht, sich auf die Treue der Fans
verlassen. Sie kommen Woche für Woche zuverlässig, bejubeln die Reden und stellen kaum Fragen. Zuletzt ist die Schar der Montagsspaziergänger
allerdings auf einen harten Kern zusammengeschrumpft. In den vergangenen
Monaten kamen nie mehr als 1.800 bis 2.500 Menschen. Immer häufiger waren Beschwerden zu hören.
Die Bewegung tritt auf der Stelle. Auf der Bühne gibt es nichts Neues mehr zu hören, die Hetzreden gegen Flüchtlinge und die Regierung wiederholen sich. Die vielen Aktionen, die Pegida angekündigt hat – von Parteigründung bis GEZ-Boykott – sind nie Wirklichkeit geworden. Die undurchsichtige Finanzpolitik des Pegida-Vereins wird kritisiert. Und seit Mitte April wird eine Frage immer lauter gestellt: Wo ist Tatjana Festerling? Sie hatte sich im vergangenen Jahr als Frontfrau neben Lutz Bachmann etabliert und wurde vorigen Sommer sogar als Pegida-Kandidatin im Dresdner Oberbürgermeisterwahlkampf aufgestellt. Bald galt Festerling als schärfste Stimme der Bewegung. Die gebürtige Wuppertalerin provozierte etliche Strafanzeigen, unter anderem nach ihrem Aufruf, "zur Mistgabel zu greifen, um volksverhetzende Eliten" aus ihren Ämtern "zu prügeln". Doch seit diesem Frühjahr war Festerling plötzlich auf keiner Pegida-Bühne mehr zu sehen, stattdessen tourte sie nur noch im Dienst ihrer eigenen Bewegung Festung Europa. Bachmann schwieg zu Nachfragen seiner Anhänger, was aus seiner Pegida-Partnerin geworden sei.
Kommentare
Pegida hat schon viel zu lange ihr Unwesen getrieben. Die Dresdner sollten sich besser für die Integration der Flüchtlinge in ihrer Stadt engagieren, als öffentlich Hass zu schüren.
"Die Dresdner" machen das mit Integration auch (es gab/gibt mehr als 10.000 freiwillige Helfer). Ein Großteil des "Harten Kerns" kommt aus dem eher ländlich/kleinstädtisch geprägten Umland Dresdens (teilweise auch von weiter weg).
Das Problem der Stadt ist, dass die Verwaltung (insbesondere die Versammlungsbehörde, z. T. auch die Polizei) jeglichen Gegenprotest kriminalisiert und mit harten Auflagen belegt, während Pegida zumeist "gebauchpinselt" wird (z. B. durch sog. Bürgerdialoge, Auswahl der Demonstrationsplätze usw.).
Der amtierend Bürgermeister mach dabei eine besonders schlechte Figur.
Ein vorbestrafter Rassist und eine größenwahnsinnige Hasspredigerin - verehrt und geliebt von den 'Kulturbewahrern'. Und wenn es denn endlich zur Auflösung kommt, werden es die Linken, die Massenmedien, die Marsmenschen gewesen sein, die dies zu verantworten haben. Aber schön zu beobachten, wie sie sich jetzt zerfressen, kann man auf Facebook verfolgen.
Pegida löst sich auf?
Das ist doch furchtbar.
Da müssen die Online-Ausgaben diverser Zeitschriften bestimmt massenhaft Mitarbeiter entlassen, wenn es nichts mehr zu "berichten" gibt.
Wie gerne man doch über angebliche Zerwürfnis bei Pegida oder AfD berichtet ist schon auffällig. Aber dann weiss man auch noch, dass "die Anhänger" (Floskel: ich warne vor Pauschalisierungen ) enttäuscht sind. Aha.
Schon sind die ersten Verdächtigungstheorien da. Würde man nicht berichten, hieße es, diese Bewegungen würden "totgeschwiegen".
Im Zusammenhang mit Pegida von einem Vordenker zu schreiben, ist schon belustigend.
Es sei denn, man meint einen Vorkäuer. Das wiederum würde einen Sinn ergeben, denn argumentativ hört man ja von den Fans nur widergekäute Aussagen.
"widergekäute Aussagen"
Da ist es kein Wunder, dass Sie das belustigend finden...