Einzelne AfD-Politiker stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Geprüft werde, ob "die AfD die freiheitliche demokratische Grundordnung ganz oder in Teilen einschränken, beziehungsweise abschaffen möchte", heißt es in einem Bericht des Stuttgarter Verfassungsschutzes, der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vorliegt.

Der Leiter des bayerischen Verfassungsschutzes, Burkhard Körner, bestätigte der FAS, dass Politiker der AfD auch in Bayern beobachtet würden. "Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz kann Einzelpersonen in der AfD beobachten, wenn diese auch in anderen extremistischen Bereichen auffällig geworden sind. Dies haben wir in Einzelfällen festgestellt. Dabei geht es um Bezüge zur rechtsextremistischen und islamfeindlichen Szene."

Zu den extremistischen Gruppierungen in Bayern, zu denen AfD-Politiker Kontakt haben, gehören die Pegida-Bewegungen und die Identitäre Bewegung, die in Bayern und anderen Ländern unter Beobachtung stehen. Personelle Überschneidungen gebe es insbesondere zwischen den Identitären und der Jugendorganisation der AfD, Junge Alternative, berichtet die FAS

Laut der Zeitung prüfen das Bundesamt für Verfassungsschutz und mehrere Landesämter außerdem, ob die Beobachtung von Einzelpersonen auf die gesamte AfD, beziehungsweise einzelne Strömungen innerhalb der Partei ausgebaut werden sollte.

Solche Forderungen waren zuletzt nach der Antisemitismusdebatte um den AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon in Baden-Württemberg erhoben worden. "Der Verfassungsschutz muss ein scharfes Auge auf die AfD und einzelne Personen aus dieser Partei haben: Wenn die Voraussetzungen für eine Beobachtung vorliegen, muss gehandelt werden", sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

AfD auf Halbjahrestief

Ein weiterer Effekt der innerparteilichen Grabenkämpfe ist, dass die AfD in einer Wählerumfrage auf den niedrigsten Wert seit Januar abgerutscht ist. Der vom Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für die Bild am Sonntag erhobene Deutschlandtrend weist für die AfD zehn Prozent aus und damit einen Prozentpunkt weniger als vorige Woche. 

Die AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen hatten am Wochenende bekundet, trotz ihres Streits über die Spaltung der AfD-Fraktion im Stuttgarter Landtag die Partei weiter gemeinsam führen zu wollen. Meuthen hatte am Dienstag als Vorsitzender die baden-württembergische AfD-Fraktion mit zwölf Mitstreitern verlassen, weil er keine ausreichende Mehrheit für den Ausschluss des Abgeordneten Wolfgang Gedeon wegen antisemitischer Äußerungen bekommen hatte. Petry hatte Meuthen vergeblich aufgefordert, die Spaltung rückgängig zu machen.