In der Essener SPD war es ein "offenes Geheimnis", dass die kürzlich zurückgetretene SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz keinen Studienabschluss hat. Das ergaben Recherchen der ZEIT, die mit zahlreichen politischen Wegbegleitern der Sozialdemokratin gesprochen hat.

"Viele aus meiner Juso-Generation haben nie ihr Studium beendet", sagt etwa die SPD-Landtagsabgeordnete Britta Altenkamp. Und der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Willi Nowack fügt hinzu: "Natürlich wurden bei uns auch Karrieren gemacht, indem Lebensläufe arg geschönt wurden."

Nowack zufolge wusste auch die Führung der Essener SPD um die gefälschte Vita von Hinz, auch wenn die betroffenen Politiker das nun abstreiten würden. Damit zielt er zum einen auf Otto Reschke, der als Hinz' politischer Ziehvater gilt und nie nur ein Gerücht vernommen haben will. Zum anderen auf den jetzigen nordrhein-westfälischen Justizminister Thomas Kutschaty, der sagt: "Ich habe ein reines Gewissen."

Die Rechtsanwältin Birgit Rust, die jahrelang in der SPD aktiv war, verweist zudem auf die Art und Weise der politischen Arbeit von Hinz. "Es muss jedem klar sein, dass es zeitlich gar nicht möglich war, so Kommunalpolitik zu betreiben, wie Petra es getan hat, und gleichzeitig zwei Staatsexamen zu machen", sagte sie der ZEIT. Auch sie selbst habe früh Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Parteikollegin gehabt. Am Ende habe sie die Sache aber auf sich beruhen lassen.

Hinz hatte über Jahrzehnte in ihrem offiziellen Lebenslauf behauptet, Abitur und Studienabschluss erworben zu haben. Tatsächlich hatte die SPD-Politikerin nach Angaben ihrer Anwälte 1983 die Fachhochschulreife erworben. Seit 2005 sitzt Hinz für die SPD im Bundestag, wo sie zuletzt den Ausschüssen für Haushalt und Rechnungsprüfung angehörte. Am Mittwoch vergangener Woche legte sie schließlich ihr Mandat nach großem öffentlichen Druck nieder.