Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach ihre Landesregierung nach den Silvester-Übergriffen in Köln zu spät reagiert hat. Es sei auch nichts verheimlicht worden, sagte die Regierungschefin im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtages. "Es wurde und es wird auch nichts unter den Teppich gekehrt oder vertuscht."

Einen persönlichen Fehler räumte Kraft ein: Sie hätte sich nach eigener Einschätzung früher zu den Vorfällen äußern sollen, sagte Kraft. Die Dimension der Übergriffe habe sich für die Landesregierung erst im Laufe des 4. Januar abgezeichnet. Sie habe damals mit Innenminister Ralf Jäger (SPD) vereinbart, dass er sich noch am selben Tag dazu äußere. Sie selbst habe dann einen Tag später in einer Zeitung Stellung genommen. Das sei zu spät gewesen. Ein lediglich schriftliches Statement sei auch nicht ausreichend gewesen.

Auch die frühere Kölner Polizeiführung habe Fehler gemacht, sagte Kraft. Es habe "Planungs- und Einsatzdefizite" wie auch Versäumnisse bei der Kommunikation während und nach den Vorfällen gegeben. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers war am 8. Januar bereits in den Ruhestand geschickt worden. 

Kraft entschuldigte sich bei den "Opfern eines neuen Gewaltphänomens" für die schrecklichen Ereignisse und "zutiefst entwürdigenden" Taten, die sie erlitten. "Ich hatte mir das so nicht vorstellen können", sagte Kraft. Die Regierung habe schnell ein 15-Punkte-Maßnahmenpaket erarbeitet, damit sich solche Vorfälle in NRW nicht wiederholen könnten.

In Köln waren in der Silvesternacht unter den Augen der Polizei Hunderte Frauen von Männergruppen eingekreist, beraubt und sexuell bedrängt worden. Insgesamt gingen 1.190 Strafanzeigen ein, 500 davon wegen sexueller Übergriffe. Die Täter sollen mehrheitlich Nordafrikaner gewesen sein. Unter den 204 Beschuldigten bilden Algerier und Marokkaner mit insgesamt 116 Verdächtigen die größte Gruppe. Auch gegen 55 Jugendliche oder Heranwachsende laufen Ermittlungsverfahren.

Silvesternacht in Köln - Was in der Silvesternacht am Dom geschah Unveröffentlichte Aufnahmen von Bodycams und Überwachungskameras zeigen: Am Kölner Hauptbahnhof waren zu wenig Beamte im Einsatz. So entstanden gefährliche Situationen. © Foto: Zeit Online