Am Donnerstag herrschte im Mainzer Landtag für kurze Zeit Hochspannung: Um 9.40 Uhr entschied sich, ob Malu Dreyer nach nur acht Wochen als Ministerpräsidentin einer Ampelkoalition scheitern würde – oder nicht. Doch der Misstrauensantrag der CDU gegen die Sozialdemokratin scheiterte. Alle 52 Abgeordneten der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP standen geschlossen hinter Dreyer. Die 49 Stimmen der Opposition von CDU und AfD reichten nicht aus, um Dreyer zu stürzen – Abweichler blieben in der namentlichen Abstimmung aus.

Es ist der geplatzte Verkauf des Flughafens Frankfurt-Hahn, der Dreyer nur vier Monate nach ihrem rauschenden und überraschenden Sieg bei der Landtagswahl im März an den Rand des Aus brachte. Ende Juni musste das Land einräumen: Der Deal ist geplatzt, hinter dem angeblichen Käufer stehen dubiose Geschäftsleute aus China, die mit gefälschten Bankbürgschaften agierten – und offensichtlich das Geld für den Kauf gar nicht hatten.

Seither herrscht Fassungslosigkeit in Mainz: Wie konnte das Land nach der Affäre um den Nürburgring im Jahr 2009 erneut auf Betrüger und Hochstapler hereinfallen? Warum wollte die SPD-geführte Regierung unbedingt völlig unbekannten Geschäftsleuten mit fragwürdigen Plänen das wichtige Infrastrukturprojekt im Hunsrück anvertrauen? Rund 2.300 Arbeitsplätze hängen am Flughafen, es ist ein Prestigeprojekt aus alten Zeiten – nun droht eine beispiellose Bruchlandung. Dreyer steht mit dem Rücken zur Wand, die politische Zukunft von Innenminister Roger Lewentz (SPD) ist ungewiss und in der Koalition mit FDP und Grünen rumort es vernehmlich.

Dass CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner mit ihrem Misstrauensantrag erfolgreich sein könnte, hatte man dennoch selbst in den Reihen der Christdemokraten nicht wirklich erwartet. Dagegen sprach vor allem das namentliche Abstimmungsprozedere aber auch die Tatsache, dass keine der Regierungsparteien derzeit Interesse an Neuwahlen haben kann. Doch auch wenn Dreyer nun weiterregieren kann, ausgestanden ist die Affäre längst nicht.

Die Fehler beim Verkaufsprozess müssten natürlich "Konsequenzen haben", sagt FDP-Fraktionschef Thomas Roth – die Liberalen fordern immer offener den Rücktritt von Innenminister Lewentz. Der ist aber zugleich Vorsitzender der SPD in Rheinland-Pfalz, Liebling der Partei und deren wichtigster Wahlkampfstratege. Doch Lewentz hat nicht nur das Flughafendesaster zu verantworten, sondern machte schon in der Nürburgring-Affäre keine gute Figur. "Es ist völlig klar, dass noch ein schwieriges Stück Weg vor uns liegt", sagte Dreyer selbst nach der Verkündung des Ergebnisses im Landtag.

Denn die Aufklärung der Affäre hat gerade erst begonnen, die Opposition stellt bohrende Fragen: Wie konnte sich das Land auf einen Käufer einlassen, über den kaum etwas bekannt ist, der in Shanghai in einem namenlosen Büro mit Pappkartons agierte, das sich am Ende als Briefkastenadresse entpuppte? Dabei waren es noch nicht mal die hoch bezahlten Wirtschaftsprüfer der KPMG, die das herausfanden: Journalisten entlarvten die Firmenadressen als Fake, fanden anstatt potenter Geldgeber nur einen Reifenhändler, der sie mit der Frage begrüßte: "Na, seid ihr auch um Geld geprellt worden?"