Es ist ein flammender Appell, für die "Festung Europa" zu kämpfen – und gegen Flüchtlinge: Tatjana Festerling, Ex-Frontfrau von Pegida, steht am Montagabend auf der Lkw-Bühne der Legida-Kundgebung in Leipzig. Sie trägt eine Jacke in Tarnfarben, am Revers das Abzeichen einer paramilitärischen Bürgerwehr aus Bulgarien und appelliert an die anwesenden Männer auf dem Richard-Wagner-Platz – möglichst jene "mit militärischer oder polizeilicher Ausbildung" –, ans Schwarze Meer zu reisen und sich in der Grenzregion zur Türkei dem Einsatz der dortigen "Patrioten" gegen die "Invasoren" anzuschließen. Das nämlich sei es, "was die Eliten mit allen Mitteln verhindern wollen. Gelebte europäische Völkerfreundschaft".

Festerling war vergangene Woche im Rahmen einer großen Europareise von Dänemark über die Slowakei, Ungarn und Rumänien auch in Bulgarien. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Edwin Wagensveld, der bei Pegida als "Ed, der Holländer" bekannt wurde, schloss sie sich den Patrouillen der Vasil-Levski-Truppe an, einer Art privater Heimatarmee von Nationalisten. Den Anführer Vladimir Rusev lobt sie als "warmherzigen und aufrechten und vor allem auch militärisch erfahrenen Mann", in Bulgarien von der Bevölkerung sehr geschätzt.

Sie traf auch Petar Nizamov. Der "Flüchtlingsjäger" war im April verhaftet und unter Hausarrest gestellt worden, wie bulgarische Medien berichteten. Der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Tsatsarov sagte damals, es sei nicht zu akzeptieren, wenn Gruppen oder Einzelpersonen Funktionen staatlicher Organe übernähmen und Jagd auf Flüchtlinge machten. Gegen Nizamov laufen mehrere Strafverfahren. Laut einem Bericht des Economist hatte er im Frühjahr ein Amateurvideo gepostet, um Mitstreiter zu gewinnen. Es zeigt, wie drei Flüchtlinge in der Region Malko Tornovo brutal mit Kabelbindern gefesselt wurden. Die Flüchtlinge hätten der Polizei berichtet, die Truppe habe sie mit einer Pistole und Messern bedroht sowie nach Geld und Wertsachen durchsucht, schreibt die britische Zeitung.

Juristische Folgen sind unklar

Die Ex-Frontfrau von Pegida, die kürzlich im Streit mit Lutz Bachmann aus der Führung der Anti-Islam-Bewegung hinausgeworfen wurde, postete auf Facebook Bilder und ausführliche Berichte ihrer Bulgarien-Exkursion. Sie selbst trägt auf den Bildern einen Tarnanzug, die Männer der Bürgerwehr sind zum Teil vermummt. Vor dem Publikum in Leipzig – rund 300 Menschen sind auf dem Platz – erklärt sie: "Soll ich in rosa T-Shirt und in Sandaletten durch den Busch stöckeln?"

Ob der Aufruf von Festerling, sich der paramilitärischen Bürgerwehr in Bulgarien anzuschließen, juristische Folgen hat, ist offen. Im Strafgesetzbuch heißt es unter Paragraph 109 h: "Wer zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung anwirbt oder ihren Werbern oder dem Wehrdienst einer solchen Einrichtung zuführt, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft." Auch der Versuch ist strafbar.