Die Zahl der Festnahmen steigt nach dem Putschversuch in der Türkei weiter an. Innenminister Efkan Ala sagte dem Staatssender TRT, inzwischen seien rund 18.000 Verdächtige mit angeblichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen worden. Gegen mehr als die Hälfte von ihnen sei ein Haftbefehl erlassen worden. Um die Flucht von Verdächtigen ins Ausland zu verhindern, wurden nach Alas Angaben bislang etwa 49.000 türkische Reisepässe für ungültig erklärt. Die Regierung beschuldigt den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen, für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich zu sein.

Außerdem will die türkische Staatsanwaltschaft die Privatvermögen von mehr als 3.000 suspendierten Richtern und Staatsanwälten beschlagnahmen lassen. Betroffen sind Richter und Staatsanwälte mit mutmaßlichen Verbindungen zur Gülen-Bewegung, deren Festnahme bereits angeordnet worden sei, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Nach Angaben aus Regierungskreisen wurden von den mehr als 18.000 Festgenommenen über 3.500 wieder freigelassen, ohne dass Haftbefehl gegen sie erlassen wurde. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan verfügte per Notstandsdekret, dass Verdächtige bis zu 30 Tage in Polizeigewahrsam gehalten werden können, bevor sie einem Haftrichter vorgeführt werden müssen. Zuvor waren es vier Tage.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kündigte an, dass möglicherweise das Volk über eine Wiedereinführung der Todesstrafe abstimmen werde. Nach seinen Worten erheben diese Forderung Tausende Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP. Für ein Referendum über eine entsprechende Verfassungsänderung wären 330 der 550 Stimmen im Parlament notwendig. Die AKP verfügt zwar nur über 317 Sitze. Die ultranationalistische MHP (40 Sitze) hat aber bereits Unterstützung angekündigt.