Die ersten Meldungen über den Putschversuch in der Türkei hatten die Runde gemacht, da folgte die erste Reaktion der Bundesregierung: Um Samstagmorgen um 1.08 Uhr meldete sich Regierungssprecher Steffen Seibert via Twitter: mit einer klaren Unterstützung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. "Die demokratische Ordnung in der Türkei muss respektiert werden", schrieb Seibert.

Als Merkel am Samstagnachmittag von ihrer Reise nach Ulan-Bator zurückgekehrt war, bekräftigte sie diese Linie. Sie verurteile den Putschversuch auf das Schärfste, sagt Merkel. Und fügt hinzu: "Es ist und bleibt das Recht des Volkes, in freien Wahlen zu bestimmen, wer es regiert."

Warnung vor Rache und Willkür

Doch das ist eben nur der eine Teil der Botschaft, die die Bundesregierung in diesen Tagen auszusenden versucht. Der andere gilt der weiteren Entwicklung in der Türkei, die hier wie in allen europäischen Hauptstädten große Sorgen weckt. 

Welche Konsequenzen wird der Präsident aus dem gescheiterten Putsch ziehen, den er als "Gottesgeschenk" bezeichnete – weil er ihm die Gelegenheit gibt, richtig aufzuräumen? Und der schon wenig später nicht nur Tausende Soldaten verhaften, sondern auch rund 3.000 Richter suspendieren ließ? Nicht ausgeschlossen scheint zudem, dass Erdoğan eine Neuwahl anstreben könnte, um mit einer noch größeren Mehrheit für seine AKP ein autokratisches Präsidialsystem mit sich selbst an der Spitze zu errichten.

"Gerade im Umgang mit den Verantwortlichen für die tragischen Ereignisse der letzten Nacht kann und sollte sich der Rechtsstaat beweisen", mahnte Merkel deswegen. Die Demokratie achte die Rechte aller und sei die beste Grundlage dafür. Ähnlich äußerten sich auch viele andere Regierungsvertreter. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) etwa warnte vor "Rache und Willkür". Rechtsstaaten müssten sich besonders in der Bedrohung beweisen.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck sagte: "Meine Erwartung an die türkische Regierung besteht darin, dass bei der Aufarbeitung dieses ganzen Geschehens die rechtsstaatlichen und demokratischen Grundsätze gewahrt werden." Und wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) "alle Beteiligten" dazu aufrief, die demokratischen Institutionen der Türkei zu achten, so durfte sich Erdoğan dabei sicher mitgemeint fühlen.

Ohne Erdoğan geht es nicht

Dabei wissen alle Beteiligten genau: Ganz gleich wie die Entwicklung in der Türkei weitergehen wird, auf die Zusammenarbeit mit Erdoğan wird man auch künftig angewiesen sein. Gerade aus deutscher Sicht kommt dem Land schließlich in vielfältiger Hinsicht eine besondere Bedeutung zu: als Nato-Partner, auf dessen Boden deutsche Soldaten stationiert sind, als wichtiger Handelspartner, aber auch wegen der rund drei Millionen türkischstämmigen Menschen, die in Deutschland leben.

Sollte eine antidemokratische Entwicklung der Türkei die Spaltung im Land verschärfen und Erdoğan künftig noch härter als bisher gegen Oppositionelle und Kurden vorgehen, könnten diese Konflikte auch in Deutschland ausgetragen werden, warnte die Staatsministerin im Kanzleramt, Aydan Özoğuz in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dies müsse unbedingt vermieden werden.