Frank-Jürgen Weise rechnet für die Integration der Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt mit hohen Ausgaben. "Es wird lange dauern und viel kosten", sagte der Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der Bild am Sonntag.

70 Prozent derer, die seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr nach Deutschland gekommen sind, seien zwar erwerbsfähig, doch werde "ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor wir sie in Arbeit bringen".

Der Anteil der Akademiker unter den Flüchtlingen und Migranten liege seiner Schätzung nach bei etwa zehn Prozent, sagte Weise. Rund 40 Prozent hätten Arbeitserfahrung, wenn auch keine Berufsausbildung. Da auch Hilfstätigkeiten besser seien als keine Arbeit, setze das Bamf trotz der oft geringen Qualifikation "alles dran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen", sagte Weise.

Wer darf wann arbeiten?

Das liegt allerdings auch an den hohen bürokratischen Hürden. Während der ersten drei Monate nach ihrer Registrierung in Deutschland dürfen Flüchtlinge nicht arbeiten, außer vereinzelt in Ein-Euro-Jobs, zum Beispiel wenn sie in Asylbewerbereinrichtungen Aufgaben übernehmen. Wenn sie nach dieser Zeit eine Arbeitsstelle finden, können sie eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis beantragen. Vorher wird von der Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit geprüft, ob es keinen geeigneten deutschen oder EU-Bewerber für die Stelle gibt. Erst dann bekommt ein Flüchtling einen Job. Eine Berufsausbildung kann ohne spezielle Arbeitserlaubnis angetreten werden – vorausgesetzt der Flüchtling findet einen Ausbildungsplatz.

"Natürlich ist die Situation für viele belastend. Niemand hat sich gewünscht, dass Menschen zu uns flüchten müssen", sagte Weise. "Wir brauchen diese Menschen auch nicht zur Deckung unseres Fachkräftebedarfs. Trotzdem war die Entscheidung richtig, in einer humanitären Notlage zu helfen." 

Weise geht nicht von Zuständen wie in 2015 aus

Weise geht aber davon aus, dass das Bamf die Aufgabe erfolgreich bewältigt: "Wir schaffen das. Vieles, was am Anfang schlecht lief, können wir inzwischen ziemlich gut. Und die Konjunktur in Deutschland ist Gott sei Dank so gut, dass wir uns das leisten können."

Im vergangenen Jahr seinen unterdessen weniger Menschen gekommen als gedacht, da einige doppelt registriert worden und andere weitergereist seien. Laut der aktuellen Asylgeschäftsstatistik (hier zum Download) des Bamf wurden im Jahr 2016 bislang 468.762 Erstanträge vom Bundesamt entgegen genommen. Die meisten aus den drei Ländern Syrien, Afghanistan und Irak. Für 2016 rechnet Weise mit 250.000 bis 300.000 neu angekommenen Flüchtlingen.

Bis zu dieser Zahl könne seine Behörde einen optimalen Ablauf garantieren, sagte der Bamf-Leiter. "Wenn mehr Menschen kommen, kommen wir unter Druck." Allerdings seien selbst dann nicht wieder Zustände wie im letzten Jahr zu erwarten, sagte Weise. Bei der Schnelligkeit der Bearbeitung müsse es allerdings schneller vorangehen: Die Verfahren würden länger dauern als angestrebt.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte der Zeitung unterdessen: "Es wird kein zweites Wirtschaftswunder durch Flüchtlinge geben." Viele optimistische Prognosen des letzten Jahres seien inzwischen zurückgeschraubt worden. Die Kosten und Erträge des Flüchtlingszuzugs könne man kaum seriös beziffern. Aber auf Grund mangelhafter Berufsqualifikation und Schulbildung solle man nicht zu viel von den Neuankömmlingen erwarten.