Der grüne Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, wird von seiner eigenen Partei für Äußerungen zur Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. Er sprach sich in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung für eine Abschiebung gewaltbereiter Flüchtlinge auch nach Syrien aus: "Es gibt Verhaltensweisen, die dazu führen, dass man sein Aufenthaltsrecht und Schutzbedürfnis verwirkt", sagte er. "Wenn sich jemand nicht an elementare Regeln hält, sind wir berechtigt zu sagen, für euch greift das Asylrecht nicht mehr." Syrien gilt nach deutschem Asylrecht nicht als sicheres Herkunftsland, in das abgeschoben werden darf. Palmer meinte jedoch: "Es gibt auch in Syrien Gebiete, die nicht im Krieg sind."

Die Grünen im Bundestag reagierten mit Schärfe. "Von Tübingen aus lässt sich einfach darüber nachdenken, ob und wohin man nach Syrien abschieben könnte", sagte Britta Haßelmann, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Gerade in der dramatisch zugespitzten Situation in Syrien sei das "wirklich zynisch", erwiderte sie. Palmer solle bedachter formulieren, "sonst darf er sich über den Applaus von falscher Seite nicht wundern".

Auch die Grünen-Vorsitzende Simone Peter wies den Vorschlag ihres Parteikollegen entschieden zurück. Auf Twitter kritisierte sie seinen Vorschlag, möglicherweise gewaltbereite Flüchtlinge nach Syrien abzuschieben. Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen bezeichnete Palmer als den "Donald Trump der Grünen" – damit bezog er sich auf den republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten, der in der Flüchtlingspolitik harte Positionen vertritt. Grünen-Bundesvorstandsmitglied Volker Beck fragte rhetorisch: "Ob Palmer bereit wäre, ein Rückübernahme-Lager in Syrien an einem Ort seiner Wahl aufzubauen und zu leiten?"


Palmer wurde in seiner Amtszeit schon mehrmals von anderen Grünen-Mitgliedern für seine Ansichten kritisiert. Als er etwa forderte, die EU-Außengrenzen mit Zäunen zu sichern und Obergrenzen für Flüchtlinge einzuführen, ging die Parteispitze auf Distanz. Grünen-Vorsitzende Peter warf ihm damals vor, rechten Hetzern in die Hände zu spielen. Auch Palmers Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik war parteiintern auf Widerstand gestoßen. Bundestagsmitglied Beck distanzierte sich öffentlich auf Twitter von Palmers Aussagen.