Die Alternative für Deutschland ist zunehmend für Wähler aus dem rechten und rechtsextremen Spektrum attraktiv. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor. "Die AfD bindet immer mehr frühere Nichtwähler und Wähler rechtsextremer Parteien an sich sowie Personen, die sich auch tatsächlich als politisch rechts oder sehr rechts verorten", sagt Karolina Fetz, eine der beiden Autoren der Studie. Aber aus dem Kreis ehemaliger FDP- oder Linken-Wähler gebe es ebenfalls verstärkten Zulauf.

Die AfD ist der Studie zufolge vor allem für Männer interessant, für Bürger in Ostdeutschland, Personen mit geringer und mittlerer Bildung, Arbeiter und Arbeitslose sowie junge Menschen unter 30 Jahren. Auch neigten Personen der AfD zu, die angegeben hätten, sich große Sorgen um Zuwanderung, aber auch die wirtschaftliche Lage im Allgemeinen, die eigene finanzielle Situation sowie die Kriminalität in Deutschland zu machen. Seit 2014 ziehe die Partei überproportional oft Menschen an, die erklärten, mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden zu sein.

Parallel zur Programmatik der AfD hat sich laut der Studie auch die Anhängerschaft verändert. Die Partei sei ursprünglich mit einem Programm gestartet, das auf der Ablehnung des Euro und der Eurorettung basierte. Mit ihrem neuen Grundsatzprogramm zu Beginn dieses Jahres seien die nationalkonservativen und zuwanderungskritischeren Positionen nun allerdings auch formal festgeschrieben.

Verhältnismäßig schnell Anhängerschaft aufgebaut

Den SOEP-Daten zufolge hat sich die AfD verhältnismäßig schnell eine Anhängerschaft aufgebaut: Drei Jahre nach ihrer Gründung geben mehr Menschen an, der AfD zuzuneigen, als es jemals bei Republikanern, DVU oder NPD der Fall war. "30 Prozent der Menschen, die bei der vergangenen Wahl Republikaner, NPD oder Ähnliches gewählt haben, unterstützen heute die AfD", sagt Martin Kroh, der zweite Autor der Erhebung.

Die Parteibindung sei für die AfD etwa so hoch wie das langfristige Mittel der FDP und etwas unter dem Niveau der Grünen in den 1980er Jahren. "Ob die AfD jedoch ihren eigenen Rechtsruck stoppen kann, bevor sie dadurch viele der jetzigen Anhängerinnen und Anhänger wieder verprellt, bleibt bei den jüngsten fremdenfeindlichen Äußerungen und parteiinternen Querelen fraglich", sagt Kroh.

Vor allem der Wechsel an der Führungsspitze der Partei im Sommer 2015 markiere "den zentralen Wendepunkt", heißt es in der Untersuchung. Er habe dazu geführt, dass "nationalkonservative Ideen stärker betont und das rechtspopulistische Parteiprofil" verschärft worden seien. In dieser Zeit habe sich auch der Wandel vollzogen von der sogenannten Professorenpartei zu einer Sammlungsbewegung für Menschen mit niedrigeren und mittleren Bildungsabschlüssen.