Seit Tausende Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Deutschland fliehen, steht die Frage im Raum: Kommen mit den Flüchtlingen auch Leute ins Land, die anfällig sind für die Lockungen islamistischer Terrorgruppen? Immer wieder warnen die Sicherheitsbehörden davor. Nun hat sich der Präsident des Bundesverfassungsschutzes abermals zu dem Thema geäußert.

"Es bereitet uns Sorge, wenn Salafisten und andere Islamisten Werbung in den Asylunterkünften machen", sagte Hans-Georg Maaßen der Deutschen Presseagentur. Er nannte konkrete Zahlen: "Es gibt bislang mehr als 340 Fälle, die uns bekannt geworden sind. Aber das sind nur die, von denen wir erfahren haben. Vermutlich gibt es mehr Fälle."

Bekanntermaßen seien unter den Asylsuchenden sehr viele junge Männer mit sunnitischer Konfession, sagte Maaßen. "Die kommen oft aus konservativen islamischen Milieus und wollen freitags in eine arabischsprachige Moschee gehen." Unter den arabischsprachigen Gotteshäusern in Deutschland gebe es jedoch zahlreiche islamistische und salafistische Moscheen. Sie bildeten ein Vorfeld der Radikalisierung.

Schon länger lässt sich beobachten, dass Salafisten versuchen, Einfluss auf Flüchtlinge zu gewinnen. Doch ob sie damit Erfolg haben, ist umstritten. Der radikale Prediger Pierre Vogel hatte im Herbst seine Anhängerschaft dazu aufgerufen, sich um die Flüchtlinge zu kümmern und ihnen Essen, Trinken, Kleidung und Aufmerksamkeit zu schenken. Flüchtlinge, die in den Hochzeiten der Flüchtlingskrise im vergangenen Jahr am Münchener Hauptbahnhof angekommen waren, hatten erzählt, sie seien dort von arabischsprachigen Männern angesprochen worden, die offenbar aus der salafistischen Szene stammen. Ähnliche Berichte gab es auch aus Bremen und Wuppertal.

Allerdings gibt es keine Belege dafür, dass die Anwerbeversuche unter den Flüchtlingen verfangen. Die jüngsten Anschläge von Würzburg und Ansbach zeigen vielmehr, dass sich die Täter selbst radikalisierten und, wenn die Hinweise denn stimmen, direkten Kontakt zu Terroristen des sogenannten Islamischen Staats in Syrien suchten. Bei den jüngst in Dinslaken festgenommenen syrischen Flüchtlingen ist bislang unbekannt, was sie genau planten und wer sie dazu angestiftet haben könnte.

Fachleute sehen die Gefahr, dass Islamisten Flüchtlinge für ihre Zwecke einspannen könnten, als nicht allzu groß an. Allerdings nur, solange Geflüchtete hierzulande eine Perspektive auf ihr künftiges Leben finden. "Extremisten warten nur darauf, dass die Gesellschaft einen Fehler macht, sie ausgrenzt, ihnen keine Perspektive bietet, sie nicht integriert. Dann ist der Frustcocktail da", sagte beispielsweise Thomas Mücke, Geschäftsführer des Violence Prevention Network (VPN). Das Netzwerk betreut in ganz Deutschland radikalisierte Jugendliche und deren Familien.

Die Sicherheitsbehörden haben auf die Gefahr reagiert. Maaßen sagte, der Verfassungsschutz habe eine Vielzahl von salafistischen Moscheen unter Beobachtung genommen. Zugleich setzen die Behörden auf Prävention. Hessens Innenminister Peter Beuth schickt beispielsweise Teams aus Polizisten, Sozialarbeitern und Dolmetschern in alle Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes. Sie sollen Bewohner und Mitarbeiter darüber informieren, wie sie auf mutmaßliche Anwerber reagieren können. Der bayerische Verfassungsschutz hat ein Infoblatt herausgegeben, das Hinweise für Heimbetreiber enthält, wie sie Anwerber von echten Flüchtlingshelfern unterscheiden können.