Die türkische Regierung hat versucht, Einfluss auf die Berliner Landespolitik zu nehmen. "Ich wurde von einem türkischen Regierungsvertreter angesprochen, ob wir bereit wären, uns kritisch mit der Gülen-Bewegung in Berlin auseinanderzusetzen und gegebenenfalls Maßnahmen gegen sie zu unterstützen", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller der Bild am Sonntag. Dabei sei es um Bildungseinrichtungen der Bewegung gegangen.

Müller habe das abgelehnt und "sehr deutlich gemacht, dass türkische Konflikte nicht bei uns geführt werden können". Halte die Gülen-Bewegung die Regeln ein, gebe es keinen Grund, gegen sie vorzugehen, sagte Müller. "Wir brauchen keine Haltungsnoten von Herrn Erdoğan in Bezug auf Demokratie und Menschenrechte."

Von einem ähnlichen Einflussnahmeversuch der Türkei hatte auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor einigen Wochen berichtet. Der türkische Generalkonsul in Stuttgart habe dafür an die grün-schwarze Landesregierung einen Brief geschickt, sagte Kretschmann damals der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin habe der Diplomat die baden-württembergischen Behörden aufgefordert, Vereine, Einrichtungen und Schulen, die nach Meinung der türkischen Regierung von der Gülen-Bewegung betrieben werden, einer Prüfung zu unterziehen. Er habe dies abgelehnt, sagte Kretschmann.

Zudem forderte vor wenigen Tagen die türkische Regierung von Deutschland die Auslieferung von Gülen-Anhängern. Kanzlerin Angela Merkel reagierte darauf zurückhaltend: Deutschland sei an die "rechtsstaatlichen Verfahren gebunden", sagte sie: "Da müssen wir rechtsstaatlichen Prinzipien folgen."

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan macht den im US-Exil lebenden Prediger Fetullah Gülen und seine Anhänger für den Putschversuch Mitte Juli verantwortlich. Belege dafür blieb Erdoğan bislang schuldig.

Seit Langem fordert die Türkei von den USA die Auslieferung von Gülen, ohne allerdings einen offiziellen Antrag dafür gestellt zu haben. Am Samstag holte die Türkei das nach: Das Justizministerium habe den US-Behörden den Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft Istanbul zur Festnahme Gülens weitergeleitet, berichtete der Sender CNN Türk. Zur Begründung nennen die türkischen Behörden zehn Straftatbestände, darunter den Putschversuch.