Bislang haben führende CDU-Politiker auf Statements zu einer weiteren Kanzlerkandidatur ihrer Parteichefin verzichtet. Nun melden sich gleich mehrere Politiker der Partei zu Wort, um ihre Unterstützung für Angela Merkel auch öffentlich zu bekunden – und wohl auch, um eine Debatte zu beenden, die am Wochenende für erregte Gemüter sorgte. So hieß es im Spiegel, dass Merkel mit ihrer vierten Bewerbung fürs Kanzleramt zögern würde, weil die CSU-Führung in Bayern noch nicht eindeutig Position für sie bezogen haben soll.

Hessens Ministerpräsident ist nun einer von denen, die diese Spekulationen für beendet erklären und Merkels Stellung in Regierung und Partei stärken will. "Ich halte es für richtig, dass Angela Merkel wieder als Kanzlerkandidatin antritt", sagte Volker Bouffier der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer mit einem entsprechenden Zitat zu Wort kommen lässt: "Ich bin für eine weitere Legislaturperiode, weil Angela Merkel die Richtige ist".

Der nordrhein-westfälische CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet, der ebenfalls einer von insgesamt fünf Parteivizes ist, betonte gegenüber der Zeitung: "Deutschland ist heute wirtschaftlich und politisch der Hort der Stabilität in Europa. Damit dies so bleibt, sollte Angela Merkel auch nach 2017 Bundeskanzlerin sein." Laschet war es auch, der die Debatte bereits am Wochenende kommentiert hatte. Auf die K-Frage konterte er mit einer Gegenfrage: "Wie kann man eine Entscheidung verschieben, die gar nicht ansteht?". Und spekulierte dann über einen "niedlichen Versuch, von der Kandidatendebatte der SPD abzulenken".

"Ich sage es zum gegebenen Zeitpunkt"

Die Bild-Zeitung weiß wiederum von "prominenten Vertretern der CDU-Spitze" zu berichten, die damit rechnen, dass sich Merkel beim Parteitag in Essen für weitere zwei Jahre als Parteivorsitzende zur Wahl stellen und beide Kandidaturen miteinander verknüpfen wird – aus taktischem Kalkül heraus, um ihre parteiinternen Kritiker im Schach zu halten. "Das diszipliniert", zitierte das Blatt ein namentlich ungenanntes Präsidiumsmitglied.

Merkel selbst hielt sich bislang bedeckt. "Ich sage es zum gegebenen Zeitpunkt", sagte die 62-Jährige in der ARD am Sonntagabend und verwies zugleich darauf, dass sie sich in dieser Sache auch in der Vergangenheit ja nie festgelegt habe. Seit 2005 im Amt, ist sie Europas dienstälteste Regierungschefin und regiert derzeit zum zweiten Mal in einer großen Koalition mit der SPD. Sollte Merkel erneut antreten, könnte sie mit Helmut Kohls Rekord-Kanzlerschaft von 16 Jahren gleichziehen.

Ob es aber dazu kommt, ist offen. Einer Umfrage zufolge lehnt die Hälfte der Deutschen eine vierte Amtszeit der CDU-Chefin ab, 42 Prozent der Befragten befürworten dies. Unter den Anhängern der Union sprechen sich 70 Prozent für eine weitere Amtszeit aus, 22 Prozent lehnen sie ab.