Der Druck wurde Petra Hinz wohl doch zu groß: Die wegen ihres gefälschten Lebenslaufs in die Kritik geratene SPD-Bundestagsabgeordnete aus Essen will ihr Mandat Ende des Monats abgeben. Hinz, die derzeit in einer Klinik behandelt wird, sagte der Westdeutschen Zeitung: "Ich lege nach Rücksprache mit den Ärzten mein Bundestagsmandat bei einem Notar zum 31. August nieder". 

Ihre Bezüge für den Monat August wolle sie spenden, berichtet die Zeitung. Die 54-Jährige hatte Mitte Juli über ihre Anwälte eingeräumt, über Jahrzehnte Abitur und einen Jura-Studienabschluss in ihrem Lebenslauf erfunden zu haben. "In der Rückschau vermag Frau Hinz nicht zu erkennen, welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen über ihre juristische Ausbildung und Tätigkeit", hieß es in der Mitteilung.

Inzwischen sind die Angaben zu Hinz auf der Bundestagswebsite geändert. Dort werden nun die Fachhochschulreife, eine Ausbildung zur Moderatorin und eine Tätigkeit "im Bereich Immobilien- und Standortentwicklung" aufgeführt.

Nach dem Bekanntwerden der gefälschten Vita hatte die 54-Jährige bereits angekündigt, ihr Bundestagsmandat niederlegen zu wollen, ließ dem aber zunächst keine Taten folgen. Lediglich ihre Parteiämter gab sie auf. Eine Frist zur Aufgabe ihres Bundestagsmandats, die ihr die Essener SPD setzte, ließ sie verstreichen. Damit hat sie weiter ihre Bundestagsdiäten bezogen. Nach Angaben eines Bundestagssprechers meldete sich Hinz am 27. Juli krank und bat um einen Termin mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) für Mitte September.

Gestern hatte sich Hinz erstmals wieder zu Wort gemeldet und in einem Interview bekräftigt, sie werde ihren Bundestagssitz aufgeben, sobald sie die Klinik verlassen könne. Wann das sei, bestimmten ihre Ärzte. 

Zugleich erhob sie schwere Vorwürfe gegen ihren Essener Parteichef, NRW-Justizminister Thomas Kutschaty. Er habe sie "endgültig zum Abschuss freigegeben" und Absprachen über ihren Rückzug gebrochen. Sowohl Kutschaty als auch SPD-Landeschefin Hannelore Kraft, zugleich Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, wiesen das zurück.

Kraft hatte am Mittwoch Unverständnis über Hinz' Zögern geäußert. "Wie viele andere kann ich nicht verstehen, dass sie in der Lage ist, Interviews zu geben, aber es bisher nicht schafft, wie angekündigt ihr Bundestagsmandat niederzulegen", sagte Kraft der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung