Nach dem Bekanntwerden ihres gefälschten Lebenslaufs erhebt die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz schwere Vorwürfe gegen Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). In einem Interview mit der Westdeutschen Zeitung bekräftigte sie zugleich, sie werde ihren Bundestagssitz gegenüber Bundestagspräsident Norbert Lammert aufgeben, sobald sie die Klinik verlassen könne. Wann das sei, bestimmten ihre Ärzte.

Dieses Verfahren habe sie gleich nach Bekanntwerden der Fälschung genau so mit Kutschaty, der auch Vorsitzender der Essener SPD ist, abgesprochen. In dem Interview wirft sie Kutschaty vor, mehrmals Absprachen mit ihr gebrochen zu haben. "Kutschaty hat mich endgültig zum Abschuss freigegeben. Ich bin mir meiner Schuld absolut bewusst und ziehe die Konsequenzen, aber ich habe auch einen letzten Rest Würde verdient", sagte Petra Hinz wörtlich. 

Hinz meldete sich nach dem Ablauf eines Ultimatums und Drohungen, aus der Partei ausgeschlossen zu werden, erstmals öffentlich zu Wort. Über Jahre hatte die 54-Jährige fälschlicherweise angegeben, Abitur und Jura-Studium abgeschlossen zu haben, wie sie ihre Anwälte im Juli einräumen ließ. "In der Rückschau vermag Frau Hinz nicht zu erkennen, welche Gründe sie seinerzeit veranlasst haben, mit der falschen Angabe über ihren Schulabschluss den Grundstein zu legen für weitere unzutreffende Behauptungen über ihre juristische Ausbildung und Tätigkeit", heißt es in der Mitteilung.

Hinz hatte in der vergangenen Woche alle Parteiämter niedergelegt. Eine Frist zur Aufgabe ihres Bundestagsmandats, die ihr die Essener SPD setzte, ließ sie jedoch verstreichen. Damit bekommt sie weiter ihre Bundestagsdiäten.

Inzwischen sind die Angaben zu Hinz auf der Bundestagswebsite geändert. Dort werden nun die Fachhochschulreife, eine Ausbildung zur Moderatorin und eine Tätigkeit "im Bereich Immobilien- und Standortentwicklung" aufgeführt.