Die Bundesregierung betrachtet die Türkei und ihren Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan nach einem Medienbericht als aktive Unterstützer radikaler Islamisten. Das zeigt nach Angaben des ARD-Hauptstadtstudios eine als vertraulich eingestufte Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion, die der Redaktion vorliegt. Dort werde auf türkische "Unterstützungshandlungen" für bewaffnete Islamisten in Syrien, ägyptische Muslimbrüder und die palästinensische Organisation Hamas Bezug genommen.

"Als Resultat der vor allem seit dem Jahr 2011 schrittweise islamisierten Innen- und Außenpolitik Ankaras hat sich die Türkei zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen der Region des Nahen und Mittleren Ostens entwickelt", zitierte der Sender aus der Antwort der Regierung.

Veröffentlichen will die Bundesregierung die Einschätzung allerdings nicht. Eine offene Beantwortung könne "aus Gründen des Staatswohls" nicht erfolgen, schrieb dem Sender zufolge der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder (CDU). Die Bewertung beruhe auf Einschätzungen des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Die Antwort vom 10. August geht auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dağdelen zurück. Sie fordert, dass die Bundesregierung ihre Zusammenarbeit mit der Türkei überdenkt. "Es geht nicht an, dass ein Terrorpate weiter als Premiumpartner behandelt wird", sagte sie ZEIT ONLINE. Dağdelen hält es für problematisch, dass die Regierung ihre Einschätzung der Öffentlichkeit vorenthält, da sie auch für die hiesige Bevölkerung brisante Informationen enthalte.

Medienberichte darüber, dass die Türkei islamistische Gruppen unterstützt, sind nicht neu. Im Juni traf Erdoğan einen Hamas-Führer in Istanbul. Lange konnten in Syrien verwundete islamistische Kämpfer für medizinische Versorgung in die Türkei reisen oder Waffen ins IS-Territorium transportieren. Auch wurde Öl aus IS-Gebieten über die Türkei exportiert. Zudem konnten Tausende IS-Kämpfer ungehindert über die Türkei von und nach Europa reisen – darunter auch mindestens drei der Attentäter von Paris. Auch die ägyptischen Muslimbrüder wurden wirtschaftlich und politisch unterstützt.