Die Thüringer Polizei hat laut einem Bericht des MDR Thüringen über Jahre Zehntausende Diensttelefonate heimlich aufgezeichnet. Betroffen sind demnach Anschlüsse in der Landespolizeidirektion, im Landeskriminalamt, in den sieben Landespolizeiinspektionen und in allen Polizeiinspektionen.

Aufgezeichnet wurden dem Bericht zufolge auch sensible Gespräche wie etwa Anrufe von Staatsanwälten. Zudem bestehe der Verdacht, dass auch Telefonate mit Rechtsanwälten, Justizbeamten, Sozialarbeitern und Journalisten mitgeschnitten wurden, die dienstlich interne Polizeinummern angerufen hatten.

Die Praxis wurde laut MDR von einem Staatsanwalt aufgedeckt, der sich darüber gewundert hatte, dass seine dienstlichen Telefonate mit einer Ostthüringer Polizeidienststelle mehrfach ohne sein Wissen und seine Zustimmung mitgeschnitten worden waren. Nach einer Beschwerde bei der Polizeiführung wurde die Praxis Anfang Juli gestoppt.

Ein Sprecher des thüringischen Innenministeriums sagte, dass nur Notrufe automatisiert aufgezeichnet wurden. Nach seiner Darstellung erfolgten die Mitschnitte von Gesprächen an Telefonen, die früher für Notrufe genutzt wurden. Bei einer Umstrukturierung der Polizei und neuer Verwendung der Apparate sei diese Funktion wohl nicht abgestellt worden. Grundlage der Praxis ist ein Erlass des Ministeriums vom August 1999.

Telefone dürfen grundsätzlich von der Polizei nur abgehört werden, wenn ein Richter es anordnet oder Gefahr im Verzug ist. In diesem Fall muss der Vorgang nachträglich richterlich abgesegnet werden. Der Fall beschäftigt deswegen jetzt die Staatsanwaltschaft.