Es ist gerade dunkel geworden, als sich Andreas Otti mit seinen Parteifreunden auf einem Parkplatz trifft. Er hat Pläne aus dem Internet ausgedruckt, aber man kann sie kaum lesen. Darum holt er eine Stablampe hervor, keine kleine LED-Leuchte, sondern eine wuchtige Maglite, wie sie Polizisten in alten amerikanischen Filmen tragen. Halb Taschenlampe, halb Selbstverteidigungswaffe.

Im Lichtkegel erscheinen die Straßen, die heute dran sind. Es wird durch eine ruhige Berliner Wohnsiedlung gehen, vorbei an Jägerzäunen, Rotklinkerfassaden und dem Ufer der Havel. Im Schutz der Dunkelheit werden die vier Männer AfD-Flugblätter in Briefkästen stecken.

Sieben Gewaltdelikte gab es in diesem Wahlkampf gegen die AfD. Kürzlich wurde einem AfD-Mitglied beim Plakatieren mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen. Das war in Kreuzberg, in Spandau ist so etwas noch nicht passiert, im Gegenteil. "Ich bekomme nur positive Rückmeldungen auf meine Kandidatur", sagt Andreas Otti. Mit einem Nachbarn hatte er einmal Streit wegen eines Grundstücks. Seit Otti für die AfD kandidiert, haben sie sich wieder vertragen. Aber Otti hat auch Verantwortung für seine Wahlkampfhelfer und man weiß ja nie. Darum der späte Termin.

Die AfD könnte in Spandau – Otti ist Vorsitzender des Parteibezirks – ein starkes Ergebnis einfahren. Im bürgerlichen Süden des Bezirks wählten schon 2013 bei der Bundestagswahl zehn Prozent die Partei, doppelt so viele wie bundes- oder berlinweit. Umfragen, ob das noch einmal funktioniert, gibt es keine. Aber Otti, der hier wohnt, spürt Unterstützung. "Die Leute können nicht mehr", sagt er. "Ihr wohlwarmes Umfeld ist weg."   

"Die Leute differenzieren nicht"

In das Abgeordnetenhaus wird er es wohl nicht schaffen, er steht ganz hinten auf der Liste. Aber wahrscheinlich wird er bald Fraktionsvorsitzender in der Bezirksverordnetenversammlung sein. Wie stark seine Truppe wird, hängt davon ab, ob sich die AfD an den Ort anpassen kann. Und Otti weiß das.

Wenn man ihn fragt, was er erreichen möchte, dann nennt er oft den Namen seines Bezirks: Man müsse Spandau wieder zu alter Größe führen. Den Namen Spandaus nach vorne tragen. Es will es nicht Stadtmarketing nennen, aber eigentlich ist es genau das. Spandau sei viel älter als Berlin und damit doch eigentlich wichtig genug für ein eigenes Selbstbewusstsein. Otti ist Offizier bei der Bundeswehr, war lange im Ausland, bildete sich im Fernstudium zum Politikwissenschaftler aus und engagierte sich in der CSU. Dann zog er aus dienstlichen Gründen nach Spandau, vor gerade einmal zwei Jahren. Auf seinem Flyer steht: "Vater, Ehemann, Offizier, Staatsbürger, Spandauer".

Mit dabei sind an diesem Abend zwei Rentner und ein junger Mann. Otti verteilt die Stofftaschen mit dem Werbematerial, dann geht es los. Otti läuft vor und redet, die anderen verteilen Flyer und versuchen, an ihm dranzubleiben. An einer Straßenecke erzählt einer der Rentner von einer Bekannten, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. Er habe ihr gesagt, dass diese Leute nicht nur aus dem Bürgerkrieg kommen, sondern von überall her. Und dass die Probleme mit sich bringen.

"Aber die Leute differenzieren nicht", meint er und redet sich langsam in Rage. "Die müssen vielleicht erst einmal eine schlechte Erfahrung machen." Otti fängt die Situation politisch korrekt auf: "Wir sind ja nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen die Politiker, die dafür verantwortlich sind." Dass die CSU nun fordere, "nur noch Christen aufzunehmen", bezeichnet Otti als "Unfug".